Zum Hauptinhalt springen

Der seltsame Rückzieher der Shuai Peng

Von Christoph Rella

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 2 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Shuai Peng ist wieder da. Und die Gehirnwäscher des KP-Regimes in Peking haben offenbar ganze Arbeit geleistet. Anders sind die relativierenden Aussagen, welche die chinesische Tennisspielerin am Montag via Video-Botschaft tätigte, nicht zu erklären. Dabei schockiert weniger ihr Dementi, jemals von irgendjemanden - in dem Fall vom ehemaligen Vize-Premier Zhang Gaoli - "sexuell missbraucht" worden zu sein. Das kann schließlich nur sie wissen, wobei man sich fragt: Was war es dann? War es "nur" (versuchte) sexuelle Belästigung? Und wäre das in Zeiten von "Metoo" nicht ebenso anzuprangern?

Nein, weitaus schockierender als dieser (vom Regime verordnete) Rückzieher ist vielmehr das, was die Grand-Slam-Siegerin sonst so zu sagen hatte - über den Wert der Freiheit in ihrer Heimat zum Beispiel. Und das war, wenn es nicht so traurig wäre, nahezu amüsant. Die Aussage etwa, dass ihr Posting auf der chinesischen Social-Media-Seite Weibo "privat" gewesen sei (und daher niemand etwas angehe). Oder auch ihr vergeblicher Versuch, der Welt glauben zu machen, sie würde in China nicht festgehalten oder überwacht. "Warum sollte mich jemand überwachen? Ich bin immer frei gewesen", meinte die 35-Jährige allen Ernstes.

Wer China - also jenes Land, in dem neuerdings die Gedanken des Staatschefs Verfassungsrang besitzen - ein wenig kennt, weiß, dass hier nichts "privat" ist und selbstverständlich jeder und jede überwacht wird. So gesehen ist es auch sehr vernünftig, dass der Welt-Tennisverband in der Causa kritisch ist und Pengs Auftritt nicht für bare Münze nimmt. Er und der Westen waren ohnedies nicht die Hauptadressaten - das ist schon das chinesische Volk. Nichts fürchtet Peking mehr, als seine 1,3 Milliarden Untertanen. Der Fall Shuai Peng hat das zur Genüge bewiesen.