Der seltsame Stil des neuen ÖFB-Chefs

Von Christian Mayr

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WZ  Christian Mayr
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© Wiener Zeitung

Der Start des neuen ÖFB-Präsidenten Gerhard Milletich war, sagen wir, durchwachsen. Zuerst das für einen modernen Verband unwürdige und uninspirierte Auswahlverfahren, aus dem der burgenländische Verbandsboss knapp als Sieger hervorging; anschließend die öffentliche Desavouierung seines bekanntesten Mitarbeiters, nämlich Teamchef Franco Foda ("Es könnte ja sein, dass er erfolgreich ist"). Nachdem dieser nun in den November-Matches erfolgreich war und bleiben darf, darf natürlich auch der neue Präsident ein bisschen mitnaschen.

So lässt sich der Medienmogul in seiner eigenen Hochglanz-Postille "Schau" in einem großen Interview tatsächlich dazu abfeiern. Einstiegsfrage: "Zwei Spiele, zwei Siege. Herzliche Gratulation zu einem erfolgreichen Einstand." - Antwort: "Es waren wirklich schöne und erfolgreiche Tage in Kärnten." Auch wenn anschließend David Alaba und Co. für ihre Leistungen gelobt werden, befremdlich wirkt das Ganze schon. Zumal sich Milletich als Herausgeber ganz unbescheiden im "Bild des Monats" zusammen mit Uefa-Boss Aleksander Ceferin präsentiert - und dann hinten auf den Klatschspalten noch weitere elf Mal (!) aus den Fotos lacht.

Zur aktuellen, von "Dossier" aufgedeckten Inseratenaffäre, bei der der Bohmann-Verlagschef eine zentrale Rolle spielen könnte, erfährt man im Heftchen freilich nichts. Bekanntlich waren und sind die Bohmann-Druckerpressen die Drehscheiben für die bunten Werbepostillen des Roten Wien, was seit Jahren für Kritik sorgt wegen Schönfärberei und Steuergeldverschwendung. Milletich sollte hier rasch Aufklärung betreiben - und sich gerade in für den Fußball so schwierigen Pandemiezeiten mit derart seltsamen Selbstbeweihräucherungen zurückhalten. Im Fußball gilt, dass der Star die Mannschaft ist - und daher auch die mehr als 500.000 aktiven Kicker in Österreich. Aber nie ist der Star der Präsident.