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Der smarte Spagat

Von Barbara Sorge

Viel Grün als Teil der Lebensqualität - um diese auch in der Zukunft zu erhalten, braucht es "smarte" Ideen.
© Schaub-Walzer/PID

Lebensqualität erhalten bei mehr Menschen und weniger Ressourcen.


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Wien. Die Bundeshauptstadt wächst. Innerhalb der Europäischen Union gehört Wien zu den am schnellsten wachsenden Städten hinter Brüssel, Stockholm und Madrid. Erst vor kurzem hat Wien mit seinen 1,741.246 Einwohnern Hamburg um 7000 Menschen überholt und ist nun nach Berlin (knapp unter 3,5 Millionen Einwohner) die zweitgrößte deutschsprachige Stadt. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Ende des Vorjahres lebten 24.162 Menschen - etwas mehr als die Einwohnerzahl der Stadt Krems - mehr in der Stadt als noch zu Beginn 2012.

Die meisten Neo-Wiener wanderten zu. Aber auch die Geburtenbilanz (Geburten minus Sterbefälle) war nach 2011 die zweithöchste in den vergangenen 32 Jahren. Für Thomas Madreiter, Planungsdirektor der Stadt Wien, liegt die starke Zuwanderung in Zeiten weitgehender Reise- und Niederlassungsfreiheit im Standortvorteil Wiens. Diesen - die allseits gelobte und mehrfach ausgezeichnete Lebensqualität - zu behalten ist bei einer wachsenden Bevölkerung und abnehmender Ressourcen - vor allem fossiler Energieträger - eine Herausforderung. Dieser will Wien "smart" begegnen.

"Smart" ist das neue "nachhaltig"

War das Schlagwort in der Stadtplanung in den vergangenen Jahren "nachhaltig", so ist es nun "smart". "Alles, was ’smart’ ist, ist auch ’nachhaltig’", erklärt Madreiter. "Und mehr." Ginge es bei Nachhaltigkeit vor allem um Bestandssicherung, ziele "smart" darüber hinaus stärker auf Technologiepolitik. Ziel ist es, einen effizienten Umgang mit Energie zu erreichen und dabei die hohe Lebensqualität, an die sich die Bürger inzwischen gewöhnt haben, zu erhalten.

Bereits 2011 wurde dazu auf der Ebene der Stadt die "Smart City Wien Initiative" ins Leben gerufen, in der öffentliche und private Stellen, die Stadtverwaltung, Forschungsinstitutionen und Unternehmen zusammenarbeiten. So soll der Anteil an umweltverträglichen Verkehrsmitteln erhöht werden. Außerdem wird ein flächendeckender Einsatz von Elektromobilität angestrebt. Der Grünflächenanteil von mehr als 50 Prozent soll erhalten bleiben. Amtswege sollen barrierefrei online erledigt werden können. Im Wohnbau geht es darum, solare Technologien in die Architektur zu integrieren und für Neubauten Niedrigstenergiestandards zu etablieren. Außerdem soll das Wohnen leistbar bleiben und eine soziale Durchmischung erlauben.

Nun soll auch verstärkt mit dem Bund zusammengearbeitet werden. Vor kurzem unterzeichneten Bürgermeister Michael Häupl und Infrastrukturministerin Doris Bures (beide SPÖ) ein sogenanntes "Memorandum of Understanding". Bund und Land wollen ihre Kräfte bündeln, um über eine gemeinsame Steuerungsgruppe Projekte anzustoßen und auf europäischer Ebene besser Finanzierungen zu lukrieren. Weiters soll bis Ende des Jahres - zwecks Weiterentwicklung Wiens zur "Smart City" auf gesamtstädtischer Ebene - eine groß angelegte Rahmenstrategie mit einem Zeithorizont bis 2050 vorliegen.

Als Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Wien und dem Bund gilt der Bau des Hauptbahnhofs. Dieser sei "innovativ", so Bures, würden doch Geothermie für die Heizung und Kühlung oder Fotovoltaik für die Stromversorgung genutzt werden. Überdies werde der Bahnhof als eine Verkehrsdrehscheibe dienen - mit Zügen, S-Bahnen, Bussen, Straßenbahnen oder auch einer Verbindung zum Flughafen und Abstellplätzen für Fahrräder. Dies sei ein "lebendiges Beispiel", dass man nicht nur von "Smart Cities" rede, sondern diese auch baue, lobte die Ministerin.

Erste Erfolge als "Smart City"

Bereits 2012 war Wien in einem weltweiten Ranking des Klima-Experten Boyd Cohen an erster Stelle gelandet. Bei einer weiteren, europaweiten Einstufung landete Wien hinter Kopenhagen, Stockholm und Amsterdam auf dem vierten Platz - allerdings als erste Millionenstadt (Amsterdam hat rund 800.000, Stockholm rund 868.000 und Kopenhagen rund 735.000 Einwohner).