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Der Vergleich macht nicht sicher

Von Christoph Rella

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Sie werben gemeinsam für den Raiffeisenkonzern. Und auch bei den Hahnenkamm-Rennen am Wochenende in Kitzbühel ist der Rummel rund um die wohl besten Skifahrer, die Österreich bisher gesehen hat, riesig. Kein Wunder, handelt es sich doch bei den Ikonen Hermann Maier und Marcel Hirscher nicht nur um sehr gute Skifahrer, sondern auch sympathische Persönlichkeiten. Was aber nicht verhindert, dass die beiden - beim Stammtisch angefangen über die Medien bis hin zu den Wettbüros - ständig miteinander verglichen und mit Blick auf die ewige Frage, wer denn jetzt wirklich der "Bessere" sei, wie bei einer Hundeschau nach statistischen Makeln durchleuchtet werden. Ob bei Weltcup-Siegen oder Stockerlplätzen, ob bei Kristallkugeln oder meisten Siegen in einer Saison, ob bei Olympia oder WM - es gibt keine Zahl, die nicht herangezogen wird, um Unklarheit zu schaffen.
Welch’ seltsame Blüten dieses Lizitieren treiben kann, hat aber nun ausgerechnet Maier in der "Sport-Bild" unter Beweis gestellt, als er meinte, zu einer perfekten Karriere gehöre neben Olympia-Gold (das Hirscher in Südkorea erneut im Visier hat) auch ein Abfahrtssieg in Kitzbühel. Heißt das: Wer bei diesem Rennen nicht mitmacht, hat keinen Anspruch auf den Besten-Thron? Selbst wenn derjenige - wie Hirscher - kein Abfahrer ist? So leicht kann man es sich auch nicht machen. Es mag ja sein, dass die Streif spektakulärer ist als der Slalom. Über Qualität oder Wert einer Karriere sagt das aber nichts aus. Es ist eher, wie Hirscher einmal gesagt hat: "Ich fahre nicht gegen jemand, ich fahre gegen die Zeit."