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Der Verkauf wird demnächst starten

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Die fünf Wohnbaugesellschaften des Bundes (Buwog, WAG, ESG, WBG und EBS) sollen dieses Jahr oder spätestens bis zum ersten Quartal 2004 verkauft sein. Gerhard Schuster, Chef der Buwog und der WBG, geht davon aus, dass "in den nächsten Wochen mit der Ausschreibung begonnen wird". Der Verkauf werde im gestaffelten Verfahren über die Bühne gehen und vier bis sechs Monate in Anspruch nehmen.


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Die fünf Gesellschaften wurden in einem 10 Mill. Euro teuren Gutachten der Investmentbank Lehman Brothers auf 600 Mill. bis 1 Mrd. Euro geschätzt. Immobilienexperten werfen nun dem 10-Mill.-Euro-Gutachten vor, dass dieses den Preis dramatisch zu niedrig ansetze, weil es nur die Gesellschaften, nicht aber deren Immobilien (61.824 Wohnungen mit rund 3 Mill. m² sowie unbebautes Bauland von 5 Mill. m² Fläche) herangezogen habe.

Auch sei nur der geringere Ertrags- und nicht der höhere Verkehrswert herangezogen worden. Vermutet wird ein Freundschaftsdienst für die Investoren, welche die Gesellschaften zu einem viel zu günstigen Preis erwerben könnten. Die "Wiener Zeitung" hat berichtet. Zu dieser Debatte wollte sich Schuster nicht äußern, doch er gab zu, dass der bestmögliche Verkaufspreis allerdings permanent neu verhandelt werde und er derzeit nicht am neuesten Stand der Informationen sei. Kaufbereit ist ein Konsortium um die Raiffeisenlandesbank OÖ und Wiener Städtische, dem auch die Hypo OÖ, Erste Bank und die Generali angehören. Auch Wüstenrot wird großes Interesse an den Wohnbaugesellschaften nachgesagt. Schuster kennt je 5 in- und ausländische Investoren, die zuschlagen wollen.

Doch vor dem Verkauf muss die Buwog noch kräftig in die Kasse greifen, denn der Finanzminister erwartet für das Jahr 2001 eine Sonderdividende von 28,5 Mill. Euro. Diese konnte nur durch die Auflösung von Rücklagen in der Bilanz 2002 dargestellt werden. Die liquiden Mittel sind dadurch von 10,6 auf 4,4 Mill. Euro gesunken. Gleichzeitig benötigt das Unternehmen 2003 aber für Bautätigkeit 30 Mill. (es sollen 250 bis 300 neue Wohnungen errichtet werden), für Instandhaltung 22 Mill. und für weitere Grundstückskäufe 14 Mill. Euro. Die Sonderdividende wurde erst durch die Abschaffung der Gemeinnützigkeit für die Bundesgesellschaften im Jahr 2001 möglich, davor waren die Gewinne und Rücklagen im Unternehmen gebunden. Und deshalb fiel der Obolus an den Finanzminister fürs Jahr 2000 mit 800.000 Euro vergleichsweise gering aus.

Die Arbeiterkammer ist mit dieser Entwicklung höchst unzufrieden, denn sie ginge zu Lasten der Mieter. Franz Köppl, AK-Experte für Wohnbaupolitik: "Statt die Gewinne den Gesellschaften zur Sanierung oder zur Schaffung günstigen Wohnraums zu lassen, kassieren sie der Finanzminister bzw. in Zukunft die privaten Immobilienfirmen ab."

Bis Anfang 2004 will Schuster fast 1.000 der 20.000 Buwog-Wohnungen an die Mieter verkaufen. Bisher wurden 323 um 34,4 Mill. Euro erworben. Das Potenzial der an Mieter veräußerbaren Wohnungen beziffert der Buwog-Chef mit 5.000 für die nächsten sieben Jahre. Die Verkaufsaktion war noch nicht besonders erfolgreich. Die AK führt dies auf die Verwendung gesetzeswidriger Klauseln beim versuchten Verkauf zurück. Dies wurde auch vom Obersten Gerichtshof bestätigt und untersagt. Mit der Wohnrechtsnovelle 2002 wurde das Problem auf österreichische Art gelöst: Nun gelten die beanstandeten schlechteren Regelungen nachträglich für alle kaufwilligen Mieter von Genossenschaftswohnungen. Dabei wurde auch in bestehende Mietkaufrechte eingegriffen, und es können höhere Verkaufspreise verlangt werden.