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Der Wald im (Klima-)Wandel

Von Julian Kern

Wald

Holz ist in Österreich ein Wirtschaftsfaktor, doch der Klimawandel erfordert ein Umdenken.


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Hitze, Trockenheit und Stürme: Witterungsextreme werden durch den menschengemachten Klimawandel häufiger und extremer. Das schwächt die Bäume und begünstigt den Schädlingsbefall. Für Österreich ist das ein Problem, schließlich gilt beinahe die halbe Landesfläche als bewaldet.

Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius waren in den vergangenen Sommern eher die Regel als die Ausnahme. Das beschleunigt die Reproduktion von Schädlingen, was sich auch in den Erkenntnissen des Climate Change Centre Austria widerspiegelt: Der Borkenkäferbefall nimmt seit den 1990er Jahren zu und seit dem Jahr 2015 wird auch der Anteil an Schadholzmengen mehr - ein Problem für Forstwirte.

2018 gipfelte das im Rekordwert von 5,2 Millionen Festmeter Schadholz. Besonders betroffen ist hierbei der Norden Österreichs - das niederösterreichische Wald- und das oberösterreichische Mühlviertel. Den Forschern zufolge gibt es in diesen Gebieten einen starken Zusammenhang der Borkenkäferschadensrate mit den Temperaturen in der Vegetationszeit und dem Jahresniederschlag. Der Klimawandel könnte Holzernten wie im Jahr 2019, als rund 62 Prozent der gesamten österreichischen Holzernte auf Schadholz zurückzuführen waren, künftig wahrscheinlicher machen.

Verändertes Landschaftsbild

Das stellt auch die Branche vor Herausforderungen, hängen doch rund 300.000 Jobs, mehr als 11 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und somit mehr als 3 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung vom heimischen Holz ab. Verantwortlich dafür sind die Sektoren Forstwirtschaft, die Weiterverarbeitung in der Sägeindustrie, die Papierindustrie und die Bauwirtschaft.

Nicht nur das Klima verändert sich. Um künftig wirtschaften zu können, wird sich auch das Landschaftsbild verändern müssen: "Der Baumartenmix wird anders aussehen, als wir das gewohnt sind. Wir werden jedenfalls auf einen gewissen Anteil an Nadelholz angewiesen sein.", sagt Herbert Jöbstl, Obmann des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs zur "Wiener Zeitung."

CO2-Speicher in Gefahr

Die Wald- und Forstwirtschaft spielt auch im sechsten Sachstandbericht des Weltklimarates eine Rolle, indem für eine Verbesserung der Waldbewirtschaftung appelliert wird. Konkret geht es um die Wiederherstellung natürlicher Senken: Davon ist die Rede, wenn der Wald mehr CO2 aufnimmt, als er abgibt. Bei falscher Bewirtschaftung könnte das Gegenteil eintreten, nämlich dass dieser in Zukunft seine ausgleichende Funktion verliert.

Während in Österreich laut des Präsidenten des Bauernbundes Georg Strasser (ÖVP) "pro Jahr 2.300 Hektar dazukommen", kippt die Situation in anderen Ländern. Aufgrund großindustrieller Nutzung sind Wälder in Finnland und Estland, die dort lange CO2-Speicher waren, inzwischen zur CO2-Quelle geworden.

Auch deshalb will das EU-Parlament den Einsatz von Primärholz - Holz, das direkt aus Wäldern entnommen wird - zur Energiegewinnung bis 2030 einschränken. Denn bei der Verbrennung von Waldbiomasse wird mehr CO2 freigesetzt als bei der Verbrennung von Kohle. Aufgeforstete Flächen binden den freigesetzten Kohlenstoff erst Jahrzehnte später. Die WWF-Waldexpertin Karin Enzenhofer fordert deshalb, das Forstgesetz an die Klimakrise anzupassen: "Die Wälder werden in den nächsten Jahren eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise spielen."