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Der Weltraum-Lastesel Europas im Steigflug

Von Hanns-Jochen Kaffsack

Wirtschaft

Nach Explosion | einer neuen Version geriet Ariane-Projekt 2002 in die Krise. | Handys und HDTV sorgten für Boom. | Paris. (dpa) Europas größtes Raketenprojekt befindet sich im Steigflug. Die Auftragsbücher für die Ariane-5 sind derzeit prall gefüllt, mehrere der Hauptkonkurrenten um das weltweite Geschäft mit den Starts der kommerziellen Satelliten haben hingegen mit Problemen zu kämpfen.


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Das freut die Raketenbetreiber von Arianespace in Evry bei Paris umso mehr, weil der Himmel für Europas Weltraumfahrt nicht immer voller Geigen hing: Am Montag ist es ein Vierteljahrhundert her, dass bei einer der ersten Ariane-1Raketen nach 560 Sekunden das Triebwerk versagte und zwei Satelliten verloren gingen. Und der Premierenstart der leistungsstarken Ariane-5 endete wegen eines Computerfehlers im Juni 1996 in einem Funkenregen. Doch diese Rückschläge sind derzeit vergessen.

Nicht zuletzt zieht der Markt wieder an, getrieben von der rasanten Entwicklung des hochauflösenden Fernsehens (HDTV) und der Handy-Kommunikation. Machte dem europäischen Raketenbetreiber und der Branche vor Jahren noch eine große Flaute zu schaffen, stehen die Zeichen nun auf volle Kraft voraus - dabei nicht zuletzt dank gekonnter Vermarktung.

Bald noch mehr Starts

Mitte August wuchtete die deutlich vergrößerte Version der Ariane-5 zwei schwere Kommunikationssatelliten in den Weltraum. Für den Schwerlastträger war es der 19. erfolgreiche Start in Serie. Vor allem aber bleibt die Vorzeigerakete der europäischen Raumfahrt das weltweit einzige Trägersystem, das zwei Nutzlasten - zumeist Satelliten - mit zusammen bis zu zehn Tonnen Gewicht befördern kann. Dabei war auch der Jungfernflug der "Zehn-Tonnen-Ariane" im Dezember 2002 gescheitert.

Drei Minuten nach dem Start war die Rakete wegen Triebwerksproblemen völlig außer Kontrolle geraten und musste gesprengt werden. Eine lange Krisenzeit folgte. Der politische Wille, "Europas Zugang" zum Weltraum zu sichern, und ein Sparprogramm halfen dem Projekt allerdings wieder auf die anfangs noch wackeligen Beine.

Heute legen die dicken Auftragsbücher bereits nahe, die Zahl der jährlichen Starts vom europäischen Raumfahrtbahnhof Kourou in Französisch-Guayana auszuweiten. Noch drei Mal soll eine Ariane-5 in diesem Jahr für den Raketenbetreiber Arianespace von der Startrampe im Dschungel abheben. Arianespace-Chef Jean-Yves Le Gall will, dass der Weltmarktführer für kommerzielle Satellitenstarts nach insgesamt sechs Flügen im Jahr 2007 auf acht im nächsten Jahr aufstockt. Immerhin sind nach dem letzten geglückten Start im August noch 42 Satelliten in Wartestellung.

Davon hatte man am Heiligen Abend 1979, als in Kourou die erste Ariane abhob, allerdings noch nicht zu träumen gewagt. Längst jedoch hat sich die "Alte Welt" ganz fest im Weltraum etabliert. Arianespace ist dabei immer auch das Sprungbrett für die Europäische Weltraumorganisation (ESA) - 2008 dann auch für den aufwendigen Start des europäischen Raumtransporters ATV. Außerdem legen Arianespace und die russischen Fachleute ihr Know-how immer mehr zusammen.

Ab 2009 sollen auf einer eigens dafür gebauten Startrampe russische Sojus-Raketen von Kourou aus beim Transportgeschäft Hilfestellung leisten. Le Gall will dort neben der Ariane-5 und der neuen europäischen Kleinrakete Vega auch das seit langem bewährte Zugpferd der Russen zum Einsatz bringen. Damit hat nicht nur die Ariane Jahrzehnte nach ihrem ersten Start Zukunft, sondern auch die internationale Kooperation im Weltraum.