Zum Hauptinhalt springen

Der Westen verliert an Einfluss in Afrika - das freut China und Russland

Von WZ-Korrespondentin Simone Schlindwein

Politik

Peking will in den nächsten Jahren 60 Milliarden Dollar investieren. In erster Linie geht es um den Zugang zu Rohstoffen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 5 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Kinshasa. Die Straße vor der US-Botschaft in Kongos Hauptstadt Kinshasa ist mit Betonpfeilern blockiert. Die Türen blieben fast eine Woche lang verschlossen. Die Mitarbeiter mussten von zu Hause aus Dienst schieben. Der Grund: Eine Terrorwarnung, die zwar niemand präzisieren will, die laut verschiedenen Quellen aber "ernst zu nehmen" sei.

Einige Kilometer den großen Boulevard entlang vor dem "Haus Schengen", der Botschaft von Belgien, ein ähnliches Szenario: Betonpfeiler und verschlossene Türen. Nach einem diplomatischen Disput im Februar haben die ehemaligen Kolonialherrscher in Brüssel entschieden, ihre Vertretung zu schließen.

Ende November kam es zum Eklat: Kongos Außenminister She Okitundu bestellte die EU-Botschafter in den roten Salon seines Ministeriums und las ihnen die Leviten. Grund für den Disput: Die EU hatte Sanktionen gegen 14 hochrangige kongolesische Politiker verhängt, darunter Einreiseverbote in den Schengen-Raum sowie Blockierung von Bankkonten im EU-Raum. Unter den 14 ist auch der derzeitige Präsidentschaftskandidat und ehemaliger Innenminister Emmanuel Shadary, der Wunschnachfolger von Präsident Joseph Kabila. Es steht schlecht um die Beziehungen zwischen Kongos Regierung und dem Westen, vielleicht so schlecht wie nie zuvor. Und auch in anderen Ländern Afrikas verliert der Westen immer mehr Einfluss, politischen wie wirtschaftlichen. Das freut wiederum andere Staaten, die um mehr Einfluss in Afrika buhlen, allen voran die Chinesen und Russen.

China hat engagierte Pläne

Chinas Außenwirtschaft konzentriert sich schon seit Jahren auf Afrika und hat engagierte Pläne auf dem Kontinent. Im September verkündete Chinas Präsident Xi Jinping auf dem China-Afrika-Forum, sein Land wolle in den nächsten Jahren 60 Milliarden Dollar in Afrika investieren. Ein Großteil soll als Kredite für Infrastrukturprojekte vergeben werden. Ein Viertel der Ausgaben konzentrieren sich auf ölfördernde Länder wie Nigeria und Angola: auf Eisenbahnlinien und Ölpipelines. Im rohstoffreichen Herzen des Kontinents investieren Chinesen in Minenkonzessionen im Kongo: Kupfer oder Coltan, das in der Elektronikindustrie verwertet wird. Seitdem die Belgier die Kooperation mit Kongos Regierung aufgekündigt haben, trainieren chinesische Offiziere nun Kongos Armee. Sanktionen wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gehören nicht zum Repertoire der chinesischen Beziehungen - dies ist mitunter der Grund, warum afrikanische Regierungen den Investoren aus China die Türen aufhalten, während die Beziehungen zu Europa und den USA in der Krise stecken.

Doch Chinas Stellung in Afrika ist nicht unumstritten: Seit Beginn des Jahres reisen zunehmend mehr russische Delegationen auf den Kontinent, um Einflussgebiete abzustecken und Investitionen zu sichern. Während die Chinesen in Afrika in Staudämme investiert haben, um die Elektrifizierung voranzutreiben, setzt Russlands zweitgrößter Staatskonzern Rosatom in Afrika auf Nuklearenergie. Erst vergangene Woche unterzeichneten Russland und Ruanda eine gemeinsame Erklärung zum Aufbau von Atommeilern. Dies ist nicht der erste Atom-Deal, den Rosatom auf dem Kontinent abschließt: Auch in Ägypten und Südafrika sind die Nuklearpläne weit gediehen.

"Kontinent braucht Energie"

"Afrika ist für uns wirklich die letzte Hürde", erklärt Rosatom-Afrika-Chef Dmitri Schornikow seine Strategie, den Konzern zum Weltmarktführer auszubauen: "Der Kontinent braucht Energie - und zwar jede Menge und über einen langen Zeitraum hinweg, um den Wirtschaftsaufschwung aufrecht zu halten." Rosatom verspricht den Afrikanern Lösungen für ihre Probleme. Als Schornikow im August in Sambia eine Informationsveranstaltung im Vorfeld des Baus eines Nuklearforschungszentrums eröffnete, versicherte er der dortigen Bevölkerung: Mit radioaktiver Strahlung ließen sich Lebensmittel konservieren. Dies würde den Hunger in Afrika verringern.

Wie bei den Chinesen geht es den Russen in Afrika nicht nur um Investitionen, sondern vor allem um den Zugang zum Rohstoff. In der Regel werden diese Deals nach dem Prinzip eingefädelt: Wir geben euch Kredite, Waffen und militärische Ausbildung, dafür gebt ihr uns den Zugang zu euren Ressourcen.

In den USA sieht man das kritisch. John Bolton, Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, verkündete in den vergangenen Tagen eine neue Afrika-Strategie, die sich gezielt gegen den wachsenden Einfluss der Russen und Chinesen auf dem Kontinent richtet. Die Chinesen und Russen würden ihren Investitionen und ihren Handel nutzen, "um direkte Einflussnahme auf die afrikanischen Regierungen zu gewinnen". "China benutzt Bestechung, undurchsichtige Vereinbarung und Schulden, die strategisch benutzt werden, um die Afrikaner für Pekings Wünsche und Anforderungen gefügig zu machen", so Bolton. Die US-Administration will sich nun auf einzelne ausgewählte Länder fokussieren und die Finanzierung von Friedensmissionen in Afrika reduzieren.