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Der Zahn der Zeit nagt an Mauthausen

Von Gerhard Lechner

Politik

Innenministerium plant Neugestaltung der Gedenkstätte. | Wien. Ausstellungen über die Zeit des Nationalsozialismus in Österreich, die bereits älteren Datums sind, lösen bisweilen Irritationen aus: "Österreich - erstes Opfer des Nationalsozialismus", steht beispielsweise auf einer Tafel zu lesen, die die Präsentation Österreichs auf dem Gelände des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Auschwitz in Polen einleitet. Die Darstellung aus den 70er Jahren, auf der preußische Stiefel Österreich zertrampeln, wurde von vielen Besuchern mit Kopfschütteln quittiert. Seit einiger Zeit feilt man nun an einer neuen Darstellung.


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Die Gedenkstätte Mauthausen, die vor allem von Schulen stark genutzt wird, hat ein ähnliches Problem. Das Innenministerium, das seit 1948 für die Gedenkstätten zuständig ist, plant nun eine Neugestaltung der dortigen Ausstellung, die den heutigen Auffassungen über die Rolle der Österreicher im Nationalsozialismus entspricht.

"Die Ausstellung, die es jetzt gibt, stammt aus den 70er Jahren", sagte die zuständige Abteilungsleiterin Barbara Schätz am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz anlässlich der am 10. Mai stattfindenden Befreiungsfeier des ehemaligen Konzentrationslagers, die heuer im Zeichen der Verfolgung aus religiösen Gründen steht. Die neue Ausstellung soll im Jahr 2012 fertiggestellt sein. Bertrand Perz, Professor am Institut für Zeitgeschichte an der Universität Wien, verweist darauf, dass Österreich durch Mauthausen "international im Schaufenster" stünde und in der Welt sehr stark durch seine Eigendarstellung in der Gedenkstätte wahrgenommen werde. Schüler, die laut Barbara Schätz die Hälfte der jährlich rund 200.000 Mauthausen-Besucher ausmachen, sollen in Zukunft statt von Zivildienern von speziell ausgebildeten Guides - "vom Lehrer bis zum Studenten" - durch die Gedenkstätte geführt werden. Weiters nannte Schätz die noch lange nicht abgeschlossene namentliche Erfassung der Häftlinge und den Kauf von Grundstücken, die zum KZ beziehungsweise seinen rund 50 Außenlagern gehörten, als Schwerpunkt der Arbeit des Ministeriums.

Ministerin Maria Fekter betonte, man folge im Innenressort in seinem Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus den Prinzipien "erhalten, dokumentieren, informieren und initiieren". So liege dem Ministerium viel daran, regionale Gedenk-Initiativen aufzugreifen und umzusetzen. Die Ministerin zeigte sich auch persönlich bewegt: Vor ein paar Wochen hatte sie von Forschern erfahren, dass in der Schottergrube ihrer Familie, die zwischen 1940 und 1943 an den deutschen Staat zwangsverpachtet war, spanische Häftlinge aus einer Außenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen gearbeitet haben. Fekter plant nun die Errichtung einer Gedenktafel.

Wissen

Das ehemalige KZ Mauthausen nahe Linz wurde im August 1938 errichtet. Mit seinen rund 50 Außenlagern wurden in dem Lager der "Stufe 3" (härteste Haftbedingungen) bis Kriegsende rund 200.000 Menschen gefangen gehalten, etwa 100.000 starben. Mauthausen wurde wegen der dortigen Steinbrüche als Standort gewählt. Es wurde im Mai 1945 von US-Truppen befreit. Alljährlich findet aus diesem Anlass am 10. Mai eine Befreiungsfeier statt.