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Deutsche Bank fürchtet Klagewelle

Von WZ-Korrespondentin Eva Glauber

Wirtschaft
Im Hauptquartier der DB in Frankfurt lenkt man ein: Anleger, die ihr "betoniertes Gold" einbüßten, dürfen hoffen. ap

Entschädigung für Anleger der letzten beiden Jahre. | "Imageschaden schon eingetreten." | Frankfurt. Der Druck von Klageandrohungen und die Kritik der Finanzbranche haben gewirkt. Zumindest ein Teil der Kunden soll einen Ausgleich für mögliche Verluste nach einer Neubewertung der Fonds-Immobilien der Deutschen Bank im Februar erhalten. "Privatanlegern, die in der jüngeren Vergangenheit in den Fonds investiert haben und durch die bevorstehende Neubewertung nun ein Wertminderungsrisiko haben, wollen wir schnell und unbürokratisch helfen", sagte Konzernchef Josef Ackermann, der zunächst jedes Einspringen abgelehnt hatte. Man will demnach nun denjenigen Anlegern Verluste erstatten, die in den vergangenen beiden Jahren Fondsanteile gekauft haben. In Finanzkreisen geht man von einer Größenordnung der Zahlung zwischen 20 und 100 Mio. Euro aus.


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# Herbe Kritik

Als Grund für den Sinneswandel Ackermanns sehen Frankfurter Bankenkreise die Angst vor einem Imageschaden durch langwierige juristische Auseinandersetzungen. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Fondsschliessung hatten Rechtsanwälte in Deutschland und den USA nach Mandanten gesucht, in deren Namen sie die Deutsche Bank auf Schadenersatz verklagen können. Aus der gesamten deutschen Bankbranche war herbe Kritik an Ackermanns Vorgehen laut geworden - die Vorgehensweise der Deutschen Bank sei "nicht zu verstehen",hieß es. "Entweder man springt ein - oder man beschädigt das Image der Bank." Experten sagen, dass die Deutsche Bank, ohne die angepeilte Rendite zu gefährden, 600 Mio. Euro aufwenden könnte.

Die deutsche Immobilienbranche leidet derzeit unter Leerständen und zurückgehenden Mieten. Gegenwärtig zeichnet sich laut Darstellung von Branchenkennern allerdings wieder eine Trendwende ab. Es gibt laut diesen Angaben großes Interesse aus dem Ausland am deutschen Immobilienmarkt. Panikverkäufe bei anderen Fonds sind laut Angaben aus Bankenkreisen nicht zu verzeichnen.

Aktie herabgestuft

Inzwischen raten die ersten Analysten, Aktien der Deutschen Bank zu verkaufen. Deutschlands größtes Bankhaus habe bereits einen "nicht zu unterschätzenden Imageschaden" erlitten, von M.M. Warburg wurde die Aktie auf "Verkaufen" herabgestuft. Der Börsenwert der Deutschen Bank ist binnen weniger Tage um eine Mrd. Euro abgestürzt, am Freitag schien die Talsohle der Kursentwicklung zunächst erreicht zu sein.

Am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass die Immobilien im Fonds bis Anfang Februar von einem Gutachter neu bewertet werden müssen. Allein am Montag sollen daraufhin 300 Mio. Euro aus dem hauptsächlich in Deutschland investierten "DB Grundbesitz-Invest" abgeflossen sein. Daraufhin hatte die Deutsche Bank den Fonds am Dienstag geschlossen. Anleger können damit bis zur Neubewertung im Februar keine Fondsanteile mehr verkaufen. Eine Stützung oder einen Verlustausgleich für den offenen Immobilienfonds, in dem laut Branchenangaben immer noch fünf Mrd. Euro gebunden sind, hatte DB-Chef Ackermann zunächst abgelehnt -offenbar will der Vorstandschef sein Renditeziel von 25 Prozent nicht gefährden.