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Die Angst der Republikaner vor dem US-"Pornokönig"

Von Linda Deutsch/AP

Politik

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Larry Flynt gegen die Vertreter des Volkes: Mit seiner Kampagne für Präsident Bill Clinton hat sich der umstrittene Herausgeber des US-Sexmagazins "Hustler" erfolgreich ins Rampenlicht

katapultiert. Der seit einem Attentat von 1978 gelähmte Publizist hat es sich medienwirksam zur Aufgabe gemacht, die nach seinen Worten in Washington vorherrschende Heuchelei im Vorgehen gegen

Clinton zu enthüllen und die republikanischen Abgeordneten auf ihre Moral hin zu überprüfen. Sein jüngstes Opfer ist der konservative Politiker Bob Barr, der als erster Abgeordneter die Amtsenthebung

Clintons gefordert hatte.

Barr gehört zu den 13 Republikanern des Repräsentantenhauses, die die Anklage in dem Amtsenthebungsprozeß gegen Clinton vertreten. Am Montag erklärte Flynt unter Berufung auf die Ex-Frau Barrs, daß

der Clinton-Kritiker selbst eine außereheliche Affäre gehabt haben soll. Zudem habe Barr, einer der vehementesten Kritiker von Abtreibungen, seine damalige Frau bei einem Schwangerschaftsabbruch

unterstützt. Barr wies die Anschuldigungen am Dienstag zurück.

Flynts Enthüllung ist Folge einer Kampagne, die der 56jährige im Oktober vergangenen Jahres gestartet hat. In einer Anzeige in der "Washington Post" setzte er eine Belohnung bis zu einer Million

Dollar für Informanten aus, die eine außereheliche Affäre eines Kongreßabgeordneten nachweisen können. Der zum neuen Parlamentspräsidenten auserkorene republikanische Abgeordnete Bob Livingston war

das erste Opfer. Im Dezember wurde bekannt, daß auch er es mit dem ehelichen Treueschwur nicht so genau genommen hat. Am 19. Dezember, dem Tag als das Abgeordnetenhaus den Präsidenten des Meineids

und der Justizbehinderung in der Lewinsky-Affäre anklagte, verzichtete Livingston auf seine Nominierung.

"Verzweifelte Zeiten erzwingen verzweifelte Maßnahmen", sagte Flynt in einem Interview der US-Rundfunksendung "Good Morning America" vom Dezember, das im Internet verbreitet wird. Er sei zwar

dagegen, daß das Sexualleben eines Menschen öffentlich gemacht werde. Doch sei dies eben nötig, um die "Heuchelei in Washington" aufzudecken. "Menschen wie Livingston und (der republikanische

Vorsitzende des Rechtsausschusses im Repräsentantenhaus Henry) Hyde, diese rechten Eiferer und Maulhelden, sind eine größere Gefahr für unsere einzigartige Form der Demokratie als es Bill Clinton

jemals sein könnte." Seine Ermittlungen liefen deshalb auf Hochtouren und könnten noch weitere Abgeordnete als moralisch zweifelhaft entblößen.

Einige Abgeordnete in Washington werden bereits von der Angst verfolgt, "ge-larry-flynted" zu werden. Erwartungsgemäß sehen mißtrauische Republikaner eine Verbindung zwischen Flynt und dem Weißen

Haus. Der Republikaner Jim Nicholson verdächtigte unlängst Clintons langjähriger Freund James Carville, dabei als Verbindungsmann zu fungieren.

Carville, der in dem Kinofilm "The People vs. Larry Flynt" (Das Volk gegen Larry Flynt) eine Nebenrolle spielte, hat die Anschuldigung ebenso wie der "Hustler"-Chef selbst zurückgewiesen. Auch

der Sprecher des Weißen Hauses, Joe Lockhart, bezeichnete die Vorwürfe als haltlos.

Clinton zahlte 850.000 Dollar an Paula Jones

Bill Clinton hat der früheren Staatsangestellten Paula Jones die vereinbarten 850.000 Dollar (738.000 Euro/10,15 Mio Schilling) für die Beilegung ihrer Sex-Klage bezahlt. Beide Seiten hatten sich

außergerichtlich auf diese Summe geeinigt, wobei Clinton keinerlei Schuld zugegeben hat.