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Die Bremslichter leuchten auf

Von WZ-Korrespondent Ulrich Glauber

Wirtschaft

Hoffnung auf Turbo-Wirkung der alternativen Antriebe erfüllt sich nicht.


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Genf. Es ist möglich, das "Auto neu zu erfinden", wie es mancher Leithirsch der Autobranche angekündigt hat. Schwieriger scheint zu sein, es auch an die Kundschaft zu bringen. Beispielhaft zeigt sich das am Elektroauto Volt von General Motors und am baugleichen Opel Ampera. Zwar wurden die beiden Neuheiten des weltgrößten Autoherstellers auf dem 82. Genfer Automobilsalon zu den "Autos des Jahres 2012" proklamiert. Dennoch musste GM die Volt-Produktion wegen fehlender Nachfrage für fünf Wochen stoppen. Beim kriselnden Tochterunternehmen Opel, das sich laut Anweisung aus Detroit auf den europäischen Markt beschränken muss, übt man sich in Zweckoptimismus. Doch ob der Ampera wirklich den Umsatz retten kann, scheint bei einem Preis jenseits der 40.000 Euro sehr zweifelhaft.

Zwar wird den alternativen Antrieben in Genf ein hoher Stellenwert eingeräumt: Elektro- und Wasserstoffautos stehen zur Probefahrt bereit, und fast alle Hersteller zeigen ihre neuesten Elektro-, Brennstoffzellen- oder Hybridautos. Aber massentauglich ist zumindest das Elektroauto längst nicht. Es kostet oft mehr als doppelt so viel wie vergleichbare Typen mit konventionellem Antrieb. Zudem sind die Akkutechnik nicht ausgreift, Sicherheitsfragen ungelöst, die Reichweite zu gering und es fehlt die Infrastruktur. Letzteres gilt auch für Gas- oder Brennstoffzellenautos.

Ökologische Fahrzeugtechnik heißt deshalb für die großen Automobilkonzerne weitgehend Energieeffizienz. Verdeutlichen lässt sich das am VW-Konzern: Europas größter Hersteller schickt sich an, GM als Weltmarktführer und Toyota als Umwelt-Vorreiter abzulösen. "Unser erklärtes Ziel ist es, Volkswagen auch in ökologischer Hinsicht zum führenden Automobilhersteller zu machen", sagt Vorstandschef Martin Winterkorn. In Genf stellt VW den Polo BlueGT vor. Dessen 140-PS-Motor verbraucht laut Werksangaben nur 4,7 Liter auf 100 Kilometer, da sich zwei der vier Zylinder automatisch abschalten, wenn der Fahrer kein Gas mehr gibt.

Hohe Entwicklungskosten zwingen zu Kooperation

Mehr als zwei Drittel der bis 2016 angekündigten Investitionen von 62,4 Milliarden Euro will VW in effizientere Fahrzeuge, neue Antriebsarten und eine umweltschonendere Produktion seiner Werke weltweit stecken. Solche Summen machen auch deutlich, warum es in der globalen Automobilbranche gegenwärtig eine Fülle von Kooperationen gibt. Gerade kleinere Hersteller können die enormen Entwicklungskosten nicht allein schultern. Allein schon politische Vorgaben wie die EU-Vorschriften zur Verminderung des CO2-Ausstoßes und steigende Spritpreise machen aber hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung notwendig. Und so kooperiert GM mit dem französischen Autohersteller PSA Peugeot Citroen Peugeot, was sich GM 320 Millionen Euro für eine siebenprozentige Beteiligung am französischen Unternehmen kosten lässt.

Durch die Kooperationen könnten außerdem die Überkapazitäten gerade in Westeuropa abgebaut werden. Es drohen Werksschließungen und Entlassungen. Sollen diese vermieden werden, müssen sich die Hersteller dem Zwang zur hohen Stückzahl unterwerfen. Deshalb drängen auch Premium-Hersteller wie Mercedes und Audi, die in Genf neue Kompakt-Modelle vorstellen, zunehmend in die sogenannte Golf-Klasse und damit auf den Massenmarkt.

Kurzfristig rechnen die Automobilmanager zu vier Fünfteln schon wegen der Euro-Krise mit schwierigen Zeiten und wollen in ihren Unternehmen an den Kosten sparen. Das hat eine soeben veröffentlichte Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers ergeben.

Schwellenländer und USA geben Grund zur Zuversicht

Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA), versucht die düstere Stimmung aufzuhellen: "Wir haben Geschwindigkeit zurückgenommen, halten aber noch vergleichsweise hohes Tempo." Grund zur Zuversicht geben Wissmanns Einschätzung nach nicht nur Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien. Auch dem weltgrößten Auto-Markt USA traut der VDA ein Wachstum von knapp acht Prozent zu. In Japan dürfte es ebenfalls wieder aufwärts gehen.

In Westeuropa allerdings droht laut VDA ein Minus von fünf Prozent bei den Neuzulassungen. Weltweit erwartet der deutsche Verband für die Branche im Jahr 2012 ein Absatzplus von vier Prozent, womit 68 Millionen neue Autos auf die Straßen kämen.