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Die Elenden von Spa und St. Tropez

Von Christoph Rella

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Während im Mittelmeer jeden Tag Menschen ertrinken und sich in Europa die Flüchtlingslager füllen, blickt die Welt auf Spa - auf jenen mondänen Nobelkurort also, wo sich am Wochenende wieder einmal Stars wie Lewis Hamilton und Sebastian Vettel um die beste Rundenzeit und den nächsten Titel rangeln. An die bittere Not, die seit Monaten an den EU-Außengrenzen herrscht, verschwendet hier - zwischen VIP-Zelt, Grid-Girls und reichlich gefüllten Buffets - kaum jemand auch nur einen Gedanken. Das wäre ja angesichts der Tatsache, dass Notstandsgebiete wie etwa die griechischen Ägäisinseln oder der mazedonische Grenzbahnhof Gevgelije auf keiner Formel-1-Streckenkarte zu finden sind, auch ein Wunder.

Was aber bitte nicht bedeuten soll, dass sich die Königsklasse samt journalistischer Entourage nicht etwa um das Leid anderer scheren würde. Als etwa der britische Formel-1-Pilot Jenson Button am Freitag von jenem Raubüberfall ("eine schreckliche Situation") berichtete, den üble Gesellen in St. Tropez auf ihn und seine Freunde verübt hatten, war die Anteilnahme in Spa endlos. Immerhin hatte der Rennfahrer, der offenbar in seinem Apartment betäubt worden war, auf einem Satz Gegenstände im Gesamtwert von umgerechnet - festhalten - 428.000 Euro verloren.

Da kommt man natürlich schon ins Grübeln. Im Fall von Button mündete dieses in die durchaus korrekte Erkenntnis: "Du kannst das Geld und den Schmuck ersetzen, deine Gesundheit aber nicht." Man muss dem Formel-1-Piloten für diese Weisheit fast dankbar sein, gilt sie doch nicht nur für Rennfahrer, sondern genauso für Flüchtlinge. Nur mit dem feinen Unterschied, dass Letztere erst ihr Geld und ihren Schmuck durch Schleppertickets ersetzen mussten, um - richtig - ihre Gesundheit zu retten. Ob das jemand in Spa gecheckt hat?