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Die Evolution ist nicht romantisch

Von Judith Belfkih

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Generell hat sich bei weiten Teilen der humanoiden Population Monogamie als Lebensform etabliert. Doch das Modell funktioniert nicht immer reibungslos. Und das sorgt nicht nur bei Betroffenen für Unmut, sondern beliefert gleichzeitig so ziemlich alle Kunstsparten mit Inhalt.

US-Forscher haben sich jetzt in einer Studie bei Primaten damit befasst, wie Monogamie entstanden ist. Und wer ihr im Tierreich noch so frönt. Oder eben nicht.

Für die meisten Säugetiere hat sich Monogamie nämlich als ineffizient erwiesen: Während das Weibchen stillt, ist es meist nicht fruchtbar. Andere Weibchen jedoch schon. Und das männliche Erbgut strebt nach Verbreitung. Bei Vögeln jedoch ist die Einehe, bei der die Jungen gemeinsam versorgt werden, weit verbreitet. Eier brüten und beschützen sowie Nahrungssuche sind wohl schwer gleichzeitig zu bewerkstelligen.

Bei einem Viertel der Primaten hat sich Monogamie jedoch trotz vordergründiger Ineffizienz etabliert. Der Zweck ist aber kein romantischer - Treue dient der Arterhaltung. Die Präsenz des Vaters verhindert, dass andere Männchen dessen Nachwuchs töten, um das dann wieder schneller fruchtbare Weibchen selbst zu begatten. Die logische Synthese, von der so mancher Humanoide wohl insgeheim träumt,wäre das Leben in einem Rudel. Ein Männchen darf mit allen Weibchen, die anderen müssen den Nachwuchs gegen Feinde von außen verteidigen. Um jedoch ganz oben an der Zeugungskette stehen zu dürfen, bedarf es ständiger Rangordnungskämpfe. Ein evolutionäres Glück, dass der Mensch nicht nur ein Säuge-, sondern auch ein Faultier zu sein scheint.