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Die fast populäre Wissenschaft

Von Bernhard Baumgartner

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Die Wissenschaft hat in der Bevölkerung einen besseren Ruf, als mancher glauben mag. Das legt zumindest eine Studie im Auftrag des Wissenschaftsministeriums nahe. Dabei wurden die Österreicher über ihre Meinung zur Wissenschaft sowie über die Verteilung der Mittel befragt. Grundsätzlich halten vier von fünf Befragten es für eine gute Idee, Wissenschaft zu fördern. Doch bevor nun Altphilologen und Topologen in Jubelschreie ausbrechen: Das gilt nicht für alle. Bei der Frage, wer mehr Mittel erhalten soll, hört sich nämlich der intellektuelle Altruismus ganz schnell wieder auf. Mehr als zwei Drittel sind nämlich der Meinung, dass Medizin, Biologie und die sich in einem schlauen PR-Schachzug nun "Lebenswissenschaften" nennenden Fächer (klingt doch gleich viel besser als "Botanik" oder gar "Genetik") verstärkt mit Geld versorgt werden sollten. Sprich, jene Fächer, die man vielleicht einmal selbst brauchen kann. Was irgendwo logisch ist - fragte man, ob die Krebsforschung oder die Skandinavistik mehr Geld bekommen sollte, wird man klare Antworten bekommen. Fächer wie Mathematik oder Informatik - aber interessanter Weise auch Wirtschaft - sind mit 25 Prozent weit abgeschlagen. Zwar sind das genau jene Fächer, die möglicherweise Antworten auf dringende Fragen der Zeit geben könnten, aber beim Egoismus um drei Ecken zu denken, das ist schon recht viel verlangt.

Insofern tut die Politik genau das Richtige: Gegen die neue Medizin-Uni in Linz werden maximal protektionistische Kleingeister aus der Ärzteschaft etwas haben. Aber die sind die Minderheit.