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Die feuerfeste Zukunft liegt für RHI unter Tage

Von Stefan Meisterle

Wirtschaft
Bergbau tief unter Tage - im steirischen Breitenau.
© Meisterle

Heimischer Feuerfest-Hersteller hält an globaler Wachstumsstrategie fest.


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Breitenau. Kurve um Kurve schlängelt sich die holprige Stollenstraße weiter in die Tiefe. Bis auf die Rückstrahler des Vorderfahrzeuges ist es stockdunkel – und menschenleer. Von der geschäftigen Tätigkeit, die der österreichische Feuerfest-Hersteller und örtliche Bergwerksbetreiber RHI zuvor erwähnt hat, ist unter Tage vorerst nichts zu sehen. Doch der Schein trügt. Etliche Wendungen später macht sich plötzlich Licht bemerkbar: Eine der meterhohen Abbauplätze des gewaltigen Stollensystems im Werk Breitenau ist erreicht. Hier unten wird unter Einsatz bulliger Maschinen im Schichtbetrieb gesprengt, geschüttet und vor allem: Magnesit gefördert. Ein Rohstoff, der für RHI ein wesentlicher Bestandteil für jenen Kurs ist, der den Konzern global konkurrenzfähig halten soll.

50 Prozent Rohstoffkosten, 50 Prozent Fertigungskosten: Mit diesen Zahlen skizziert RHI-Vorstandschef Franz Struzl den Finanzaufwand bei der Herstellung feuerfester Materialien. Zumindest galt dieser Schlüssel bisher. Denn mit der Kostenstruktur, die das Geschäft maßgeblich von den Rohstoffmärkten abhängig macht, will man sich nicht länger zufrieden geben: "Wir verfolgen das Ziel, die Abhängigkeit von chinesischen Exporten zu verringern", erklärt Struzl. Ziel sei, den Grad der Eigenversorgung zu erhöhen – von derzeit 60 Prozent noch in diesem Jahr auf 80 Prozent und bis 2015 gar auf 100 Prozent. Ein fernes Ziel, das nicht zuletzt vom Erfolg der Wachstumsstrategie des Unternehmens abhängig ist.

"Unsere Strategie ist, in kleinen Schritten zu wachsen", sagt Struzl. Das soll durch den Ausbau bestehender Standorte, aber auch durch den Zukauf neuer Förderungs- und Produktionsstätten gelingen. Aktuell erfolgt der Ausbau der Produktion im chinesischen Werk Dashiqiao sowie im türkischen Eskisehir. Zudem beteiligt man sich an einer Auktion zu einem Magnesitprojekt in Serbien – für einen Kaufpreis von 60 bis 65 Millionen Euro. "Die Verhandlungen in Serbien sind im Prinzip abgeschlossen, die Auktion aber noch nicht eröffnet", berichtet Struzl und verweist auf politische Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen. Vorsichtigen Optimismus lässt er dennoch durchblicken, zumal ein Zuschlag Serbiens das Ziel der vollständigen Rohstoffeigenversorgung bis 2015 zur Realität machen könnte.

Neue Produktionsstätten in den Wachstumsmärkten
So wichtig Serbien für die Erreichung dieses ehrgeizigen Zieles auch ist – es stellt nur eines von mehreren Wachstumsprojekten dar. Denn neben der Erhöhung der Eigenversorgung verfolgt RHI mit seinem Wachstum auch ein anderes Ziel: die Produktion der feuerfesten Materialien dort aufzubauen, wo diese benötigt wird, um damit nicht zuletzt kostspielige Importzölle zu umgehen. Neben einem Werk in Brasilien, dessen Bau im Vorjahr gestartet wurde, beinhaltet das auch Pläne in Russland, den USA und Indien. Während man am indischen Subkontinent bereits ein konkretes Übernahmeprojekt evaluiere, sei man beim Einstieg in den russischen Markt, dessen Stahlindustrie große Chancen verheißt, noch am Anfang. Die USA wären "ein Thema für 2013", sagt Struzl.

Bereits heuer aber lässt man sich den Wachstumsplan einiges kosten: "Das Investitionsprogramm wird 170 Millionen Euro betragen", sagt Struzl. Hilfreich dabei ist ein durchaus optimistischer Geschäftsausblick. "Das erste Quartal war ein positives", zieht Struzl Zwischenbilanz. Die Kundenmärkte würden sich als stabil erweisen und teilweise sogar zulegen. In der Stahlindustrie, die zwei Drittel des RHI-Geschäfts ausmacht, zeige sich für 2012, was die Mengenauslastung betrifft, eine weltweit steigende Tendenz.

Das beflügelt die Perspektiven: In etwa zwei Jahren soll sich der Umsatz auf 2,2 bis 2,3 Milliarden Euro erhöhen, sagt die neue Finanzvorständin Barbara Potisk-Eibensteiner. Zum Vergleich: Im Vorjahr betrug der Erlös etwas weniger als 1,8 Milliarden Euro.

Geht es nach Struzl, soll dabei gleichzeitig auch die Produktivität angehoben werden. "Um zwei Prozent pro Jahr", nennt Werksleiter Thomas Drnek die Vorgabe für Breitenau. Gelingt das nicht, könnte auch an der Personalschraube gedreht werden. Vorstellen will sich das Drnek aber nicht: "Ich habe sehr gute Mitarbeiter." Rund 50 davon sind unter Tage zu Werke. Gerade genug, um Düsternis und Stollen nicht ganz menschenleer erscheinen zu lassen.