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Die Fifa und das Gewissen

Von Tamara Arthofer

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Kurz vor Weihnachten könnte es für Joseph Blatter noch einmal ungemütlich werden. Der Europarat hat für Mittwoch zu einer Anhörung geladen, bei dem die Geschäftspraktiken der Fifa diskutiert werden sollen. Und da gibt es so einiges Spannendes zu erörtern: von der ISL-Pleite 2001, deren Aufarbeitung millionenschwere Schmiergeldzahlungen an (ehemalige) Funktionäre zu Tage brachte, über die WM-Vergaben bis hin zu Blatters Wiederwahl als Präsident im Vorjahr. Nun hat ein wichtiger Zeuge in letzter Sekunde abgesagt: Mohamed Bin Hammam, langjähriger Blatter-Intimus, verhinderter Gegenkandidat und nunmehr erbitterter Feind, wird fehlen - Gerüchten zufolge soll Blatter in Bin Hammams Heimat Katar lobbyiert haben. Aber was soll’s? Bin Hammam ist wegen Verstößen gegen die Ethikregeln gesperrt und somit als unglaubwürdig abgestempelt. So einfach wird man lästige Widersacher los im Reich von Sonnenkönig Sepp. Der Fall hat gezeigt, dass Reform von innen heraus kaum möglich ist. Um das korruptionsgebeutelte System Fifa auf neue Beine zu stellen, bedarf es externen Drucks - und genau den verbittet sich der Sport bisher erfolgreich. Die Anhörung mag ein Schritt sein, wirklich näherkommen wird man dem Ziel damit aber kaum. Schließlich ist der Europarat ein Gremium ohne Machtbefugnis, das sich vorrangig als Gewissen Europas versteht. Und Gewissen und Fifa, das hat zuletzt kaum zusammengepasst.