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Die Formel 1 fährt im Kreis

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

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Eigentlich wäre das Ganze ja lustig, wenn es nicht so traurig wäre - und Bernie Ecclestone nur ein schrulliger, reiferer Herr und nicht Herrscher über ein Milliarden-Imperium wäre. Anstatt sich nach der Einstellung seines Bestechungsprozesses, die dem Rechtsempfinden der Mehrheit der Beobachter widerspricht, ruhig zu verhalten, gab er triumphierend Interviews. Sicher sei es ein wenig unglücklich, so viel Geld zu bezahlen - die Einstellung erkaufte er sich mit knapp 75 Millionen Euro -, "noch unglücklicher aber wäre es, das Geld nicht zu haben", sagte er der "Bild" und gab damit all jenen Wasser auf die Mühlen, die eine Zweiklassenjustiz orten, weil es sich die Reichen schon richten könnten. Ecclestone aber meint: "Eigentlich finde ich dieses kapitalistische System gut." Nun ja, kann man sagen, Kapitalismus ist eh noch besser als Diktaturen, für die er ja auch gewisse Sympathien hegt. Das Problem ist aber, dass er beides als Kopf der Formel 1 symbolisiert; er führt sie als eiserne Diktatur nach rein kapitalistischen Kriterien. Das macht es auch so schwierig, sich seiner zu entledigen. Geht’s Bernie gut, geht’s allen gut - zumindest denen, die (seiner Meinung nach) wichtig sind. Deswegen befürworten offiziell auch die meisten den Deal. Die Kleinen trauen sich nicht aufzumucken, die Großen naschen kräftig mit. So fährt die Formel 1 weiter munter im Kreis, deren Zentrum Ecclestone selbst ist. Doch irgendwann wird auch das vom Lauf der Natur überholt werden. Die Formel 1 hätte gut daran getan, den Prozess als Warnschuss für die zwangsläufig einmal eintretende Post-Ecclestone-Ära zu betrachten. Doch einen Plan B hat man offenbar nicht.