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Die Friedhofssinnierer

Von Andreas Rauschal

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Sterben genießt in Wien traditionell einen hohen Stellenwert - wobei mitunter der Eindruck entsteht, die Zeit davor hätte am ehesten den Zweck, erduldet zu werden. Entsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein mögliches Ranking der beliebtesten Feiertage Allerheiligen noch vor Weihnachten anführen würde. Ostern hingegen ist Wiederauferstehung und somit bloß Störung der Totenruhe.

Das Fernsehen huldigte diesem Umstand am Donnerstag mit Lukas Sturms Film "Grabgeschichten - André Heller zeigt Dirk Stermann den Hietzinger Friedhof", wobei das schlohweiße Haupthaar der Protagonisten das zu verhandelnde Sujet der Vergänglichkeit bereits optisch vorwegnahm. Während vor allem Heller das Wort ergriff, um über "die Raserei der Trauer" ebenso zu fabulieren wie über seine Friedhofsausflüge mit Qualtinger, Torberg und John Lennon oder befreundete Dichter und Maler, von denen außer ihrem Werk auch kaum mehr übrig ist als Kompost und Erinnerung, blieb Stermann viel Zeit zum Zuhören. Seine pointierten Zwischenfragen wie etwa jene am Grab von Engelbert Dollfuß ("Wer legt hier Blumen ab? Die ÖVP-Ortsgruppe Hietzing?") sorgten aber dafür, dass nicht zu viel Pathos aufkam.

Von Heller erfuhr man, dass er mit einem Ehrengrab der Stadt Wien zwar rechne, eine Ruhestätte im extremen Süden (Stermann: "Kärnten??") aber bevorzuge, wo seine Asche den Blumen Dung werden solle. Man weiß es ja: Die wahren Abenteuer sind im Topf!