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Die Früchte der Dürre

Von Marina Delcheva

Wirtschaft

Wegen der Trockenheit haben die Kühe weniger Futter, Milch und Butter werden teurer. Die Weinernte fällt gut aus.


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Wien. 100 Sommertage im Flachland, für gewöhnlich sind es nur 65. Regelmäßig Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke. 41 Tropennächte. 20 Prozent weniger Niederschlag. Der Sommer war sehr heiß. Genau genommen war es der Viertheißeste, seit es Wetteraufzeichnungen in Österreich gibt, und im Westen Österreichs war er auch einer der trockensten. Nun ist der Sommer fast vorbei, und für die kommenden Tage ist Regen angesagt. Die Dürre aber beschert der heimischen Landwirtschaft jetzt in vielen Bereichen eine magere Ernte. Anderswo gibt es hingegen Überschüsse. Beides ist schlecht.

Futternot wegen Dürre

In seinem aktuellen Bericht geht die Agrar Markt Austria (Ama) davon aus, dass die Milch- und Butterpreise empfindlich steigen könnten. Seit Juni geht die Erzeugermilchpreiskurve laut dem Bericht nach oben und liegt aktuell bei knapp 36 Cent pro Liter. Ein Packerl Butter kostet in manchen Handelsketten gut 2,49 Euro, gut 15 Cent mehr als noch im Frühjahr.

Zum einen liegt das daran, dass Kühe schlicht weniger Milch produzieren, wenn ihnen zu heiß wird. Zum anderen liegt es an der bevorstehenden Futtermittelknappheit. Wegen der Hitze und seltener Regentage trockneten viele Wiesen und Acker aus und machten die Pflanzen anfälliger für Schädlinge. Das wiederum verkleinert die Futterbestände vieler Bauern.

"Wir sehen eindeutig, dass die Futtersituation in Deutschland und in Österreich schwierig ist und die Milchproduktion deswegen geringer ist", sagt Günther Rohrer von der Landwirtschaftskammer Österreich. Deswegen wurden viele Tiere vorsorglich zur Schlachtung angemeldet. Einige Bauern mussten wegen der Futternot ihre Viehbestände reduzieren. Während deshalb Milch und Butter EU-weit teurer werden, wird hierzulande das Fleisch, vor allem Wurst, wohl billiger werden.

Und auch in anderen Bereichen fällt die Ernte mager aus. Bei der Braugerste zum Beispiel, die sehr viel Wasser braucht. "Bei Getreide und Mais ist die Ernte auch unterdurchschnittlich", erklärt Rohrer. Dass der Brot- und Bierpreis deshalb spürbar steigen wird, glaubt er aber nicht.

Die Hitze hat auch den Kartoffeln und den Zwiebeln zugesetzt. Letztere sind in weiten Teilen im überhitzten Boden ausgedürrt. Und die Kartoffelernte gestaltet sich wegen der harten, trockenen Böden schwierig, vor allem in Deutschland. Dort gibt es auch hohe Ausfälle, was wiederum die Kartoffelpreise in der gesamten EU hochtreibt. Auch in Österreich werden die Böden wieder so hart, dass das Herausholen der Kartoffeln schwieriger wird.

Der Wein fließt

Die Hitze und der Regenmangel haben aber nicht allen Sorten gleichermaßen zugesetzt. Die Weinbauern zum Beispiel freuen sich heuer über ein besonders gutes Jahr nach den mageren Ernten in den vergangenen Jahren. "Der Wein ist tief verwurzelt und kommt deshalb etwas länger ohne Wasser aus", sagt Harry Frank, Weinproduzent im Waldviertel.

Gegenüber dem Vorjahr ist der Handelspreis für Trauben von rund einem Euro auf heuer gut 50 Cent gefallen. Dass sich das auf die Weinpreise, vor allem im Qualitätsbereich, auswirkt, glaubt Frank aber nicht. Wahrscheinlicher ist, dass es heuer wieder billigen Wein aus Österreich geben wird. Heißt: Auf dem Tetrapack wird nächstes Jahr wohl öfter "made in Austria" stehen.

"Je wärmer der Sommer, desto besser für den Weinbau, gilt so nicht mehr", warnt der Weinbauer Frank. Die Hitze, der geringe Niederschlag und der höhere Ertrag haben den Weinstauden zugesetzt. Das wiederum könnte sich im kommenden Jahr rächen. Auf Dauer seien Hitzesommer auch für den heimischen Weinbau nicht gut, meint er.

Und auch die Apfelbauern sorgen sich um ihren Absatz. Laut der World Apple and Pear Association (Wapa) soll die EU-Apfelernte heuer mengenmäßig um 36 Prozent steigen. Das Land Steiermark rechnet mit einem Ernteplus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

"Wir erwarten jedenfalls eine qualitativ ausgezeichnete Ernte. Die Versorgung des Inlandsmarktes ist nach den schwierigen Vorjahren wieder gesichert, Importe sind also nicht mehr notwendig", sagt der Präsident des Bundes-Obstbauverbandes, Rupert Gsöls. Zwar könnte die Prognose wegen der Dürre noch leicht nach unten korrigiert werden. Apfelbauern rechnen dennoch mit einem empfindlichen Preisverfall im Herbst.

Die Österreichische Hagelversicherung bezifferte die Dürre- und Hitzeschäden heuer mit 210 Millionen Euro, so viel wie noch nie zuvor. "So trockene Sommer sind in der Messgeschichte noch nie aufgetreten", sagt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodesie (Zamg). Das wird in den nächsten Jahren aber zunehmen, warnen Klimaforscher. Darauf muss sich die heimische Landwirtschaft einstellen.

Im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft tagen die EU-Landwirtschaftsminister im Rahmen eines informellen Treffens von Sonntag bis Dienstag im niederösterreichischen Schloss Hof. Rund 40 Prozent des EU-Budgets fließen in die Landwirtschaft. Auf der Agenda stehen sichere Lebensmittel und die Rahmenbedingungen für Bauern.