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Die frühen Herbstabende mit Milchstraße und Andromeda-Nebel

Von Hermann Mucke

Wissen

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Sonnenchronik: Auffällig verkürzt sich die Dauer der lichten Tage, vom 1. mit 9 Stunden 46 bis 30. mit 8 Stunden 41 Minuten. Die Bürgerliche Dämmerung dauert ab Sonnenuntergang 34 Minuten bis 6 Graden Sonnentiefe; dann Erscheinen der ersten Sterne. Die Nautische Dämmerung endet bei 12 Graden Sonnentiefe und dem Eintritt der fast vollen Nacht; sie verlängert sich von 1 Stunde 9 Minuten auf 1 Stunde 15 Minuten nach Sonnenuntergang.

Die Sonne erscheint in Widerspiegelung des Erdumlaufs als Wandelgestirn im Tierkreis und erreicht am 22. November um 10.01 Uhr den Anfang des Tierkreiszwölftels Schütze. Im Freiluftplanetarium Sterngarten Georgenberg zieht am 22. mittags die helle Mitte des von der Lochscheibe auf den Schrägmast geworfenen Schattens über die Querspange mit der Aufschrift 22 NOV und dem Schützesymbol.

Mondchronik: Der Mond geht am 1. kurz vor Mitternacht als breite Sichel kurz nach dem Letzten Viertel auf. Tief in der Morgendämmerung des 6. können wir zwischen Osten und Ostnordosten die feine Sichel des Altlichtes aufgehen sehen; das ist die letzte sichtbare Mondphase vor dem Neumond am 7. Der Mond erscheint wieder als zarte Neulichtsichel tief in der Abenddämmerung des 9. zwischen Südwesten und Westsüdwesten. Im religiösen jüdischen und islamischen Mondkalender beginnt der Tag am Abend mit der Sichtung des Neulichtes in der Abenddämmerung und endet mit dieser am nächsten Tag. Dabei steht die Neulichtsichel in geringer Höhe über dem Horizont. In früher Zeit gab es dazu die Zeugenschaft von mehreren Beobachtern. Oft wird nachlässig von "Neumond" gesprochen, der aber etwas ganz Anderes ist, nämlich der weltweit gleiche Zeitpunkt, zu dem im Blick von oben auf die Tierkreisebene Erde, Mond und Sonne in dieser Reihenfolge eine Gerade bilden. Zu diesen Kalendern und Einzelheiten zu ihnen sowie die Umrechnung von islamischen und jüdischen Kalenderdaten in christliche und umgekehrt finden sich u.a. in den "Astronomischen Kurzkalendern 2001 bis 2051" des Astronomischen Büros. Zusendeauftrag ist der Eingang von 19 Euro auf Konto AT61 6000 0000 790 7948 mit Adresse.

Am 11. steht der Mond nahe Saturn und am 12. zieht er im Schützen in niedrigster Bahn vom Auf- bis zum Untergang. Die Mondbahn um die Erde ist ein nur wenig von der Kreisform abweichender Kreis und seine Erdferne durchläuft der Mond im heurigen November am 14. im Steinbock. Das Erste Viertel erreicht der Mond nahe Mars am 15. und steht auch noch bei ihm am nächsten Tag. Die dunklen Mareflecken des Mondes schwanken ein wenig während seines Umlaufs um die Erde gegen den Mondrand zufolge des perspektivischen Effektes der Libration: am 20. erscheint das kleine Mare Crisium so nahe als möglich am nordwestlichen Mondrand und zugleich liegt diesmal der Mondnordpol am randfernsten. Der Vollmond tritt am 23. im Stier ein und lässt die Gesamtheit der Mareflecken sehen. Recht deutlich treten sie hervor, wenn die Überstrahlung durch eine Sonnenbrille oder durch Anstrahlen des Auges mit einer Taschenlampe durch Verengen der Pupille vermindert wird. In höchster Himmelsbahn zieht der Mond am 26. in den Zwillingen vom Auf- bis zum Untergang und am 30. gibt es das letzte Viertel im Löwen.

Planetenlauf: Merkur und Jupiter sind im Strahlenkranz der Sonne unsichtbar. Die Venus lässt sich frühestens wieder am 2. tief in der Morgendämmerung im Ostsüdosten nahe bei Spika in der Jungfrau sehen. Mars strahlt abends fast unverändert hoch nahe Südsüdosten und wechselt vom Steinbock in den Wassermann und Saturn steht abends tief zwischen Südsüdwesten und Südwesten im Schützen.

Sternbilderhimmel:Unsere Karte sieht genau wie die für Oktober aus, gilt aber nun im November für den 1. um 19.09 Uhr und 30. um 17.15 Uhr. Der Umlauf der Erde um die Sonne bewirkt, dass sich der Himmelsanblick jeden Tag um rund vier Minuten früher zeigt. Stehen wir an gleicher Stelle - etwa mit Blick in den Südhimmel zu einer Hauskante oder Lichtmast - und sehen wir einen Stern daran gerade erscheinen oder verschwinden, so geschieht das am nächsten Tag etwa vier Minuten früher. Das macht im Monat 4x30 = 120 Minuten oder 2 Stunden aus und beginnt nach 12 Monaten wieder neu: So können wir den Erdumlauf erleben.

Am abendlichen Südhimmel zeigt die Karte den Mars "M" für Beginn und Ende des Gültigkeitsbereichs. Der Frühherbsthimmel, der uns frühes Dunkelwerden beschert, bietet bei mondloser Sicht das matte Band der Milchstraße. Sie ist durch den strichlierten Kreisbogen angedeutet und zieht vom aufgehenden Fünfeck des Fuhrmanns mit der hellen Kapella im Nordosten über das "Himmels-W" der Kassiopeia, weiter durch das Große Norddreieck mit Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler bis in den versinkenden Schützen im Nordwesten. Die "Fünfsternreihe" aus den Hauptsternen von Perseus, Andromeda und Pegasus steht am hohen Südosthimmel. Wir finden in der Andromeda neben ihrer Körpermitte auf der Seite der Milchstraße, deutlicher im Fernglas, das kleine Fleckchen des Andromeda-Nebels, in Wirklichkeit eine Spiralgalaxie wie unsere, nur größer. Dies ist das fernste mit freiem Auge sichtbare Himmelsobjekt.

Infos:

www.astronomisches-buero-wien.or.at

01/889 35 410