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"Die Führungskraft als Counterpart sehen"

Von Helene Kurz

Wirtschaft

Entscheidungen sollten fair und nachvollziehbar sein. | Stets offen für Neues sein. | Eine gute Vision ist spürbar.


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Wien . Das Runde muss ins Eckige. Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Derart kernige Sprüche ist man von Fußballtrainern gewohnt.

Neuerdings lernen Manager und Coaches voneinander. Bestes Beispiel: Jürgen Klinsmann, Ex-Bundestrainer der deutschen Nationalelf. Er hat es geschafft, nicht nur die Mannschaft, sondern ganz Deutschland zu motivieren und eine Welle der Begeisterung auszulösen. Dabei ist er wie ein moderner Manager vorgegangen. Was können Manager in punkto Motivation und Teamgeist von Fußballtrainern lernen?

"Wir werden Weltmeister", tönte es unisono aus den Reihen der deutschen Nationalmannschaft. Es ist Klinsmann gelungen, die Spieler für ein gemeinsames Ziel zu begeistern und dieses konsequent zu verfolgen. Die Weltmeisterschaft im eigenen Land fungierte dabei als "Kristallisationspunkt". Alles fokussierte sich auf dieses eine Ziel, meint Marion Weber vom Unternehmensberater Kienbaum.

Klares Ziel vor Augen

Eine starke Ziel- und Ergebnisorientierung zeichnet modernes Management aus, weiß Weber. "Manager sollten sich auf eine Vision verständigen, Ziele formulieren und diese dann auch umsetzen". Eine gute Vision muss spürbar und umsetzbar sein. Nachvollziehbare Entscheidungen und Fairness sind hierbei das um und auf, erklärt Axel Post von der Beratung Roland Berger.

Fachliche Kompetenz

"Ich bin gerne Joker. Das reicht", sagte der Spieler Oliver Neuville, der die meiste Zeit auf der Bank saß. Auch Ersatzspieler fühlten sich wie vollwertige Teammitglieder.

Für das Erzeugen eines Teamspirit und "Wir"-Gefühls ist es unerlässlich, dass die Mitarbeiter "die Führungskraft als gleichwertigen Counterpart sehen", meint Post. Fußballtrainer sind oft ehemalige Spieler, die wissen, wie der Hase läuft. Dadurch können sie auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz aufbauen und strahlen fachliche Kompetenz aus.

Diese Grundregel aus dem Fußball könnten auch Manager anwenden und Führungskräfte bevorzugt aus dem eigenen Unternehmen rekrutieren. Die Mitarbeiter wissen dann, dass sie sich weiterentwickeln können und eine Aufstiegschance haben. In Situationen starker Veränderungen ist es jedoch hilfreich, "frisches Blut" und neue Ideen ins Unternehmen zu holen, sagt Weber.

Trainer haben in der Regel eine große Nähe zu ihren Spielern und wissen über deren aktuelle Verfassung und Lebenssituation bestens Bescheid. Ein guter Trainer kennt die Stärken und Schwächen seiner Spieler und weiß diese an der richtigen Stelle einzusetzen. Auch ein Manager sollte die Talente seiner Mitarbeiter richtig einschätzen und genügend Entfaltungsräume geben. Die Zusammenstellung des Teams und die Aufgabenaufteilung muss passen.

Ein weiterer Tipp für Manager: Über den Tellerrand blicken, stets offen für Neues sein und Know-How von außen holen. Klinsmann lockerte die straffen Trainingseinheiten mit Beach-Volleyball und Stadtbummeln auf und nahm sich die Expertise amerikanischer Fitness-Gurus zu Hilfe. Diese brachten mit ihren neuartigen Trainingsmethoden die richtige Balance zwischen Anspannung und Entspannung. Work-Life-Balance nennt dieses Konzept der Fachmann. Auch Manager sollten sich Entspannungsphasen gönnen, um einem Burn-Out vorzubeugen, meint Weber.

Positive Ausstrahlung

Menschenkenntnis und die Fähigkeit sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen sind wichtige Eigenschaften eines Managers. Durch eine positive und sympathische Ausstrahlung werden Mitarbeiter begeistert und mitgezogen. "Einem Zauderer folgt man nicht", sagt Weber. Wer Optimismus verbreitet, zieht andere mit und motiviert. Eine positive "Warum nicht? Probieren wir es"-Einstellung erzeugt Begeisterung.