Die gläserne Klippe

Von Monika Rosen

Gastkommentare
Monika Rosen ist Börsen-Expertin und Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft. Mehr als 20 Jahre war sie Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Twitter: @Monika_Rosen

Der Aufstieg auf der Karriereleiter ist für Frauen immer noch schwieriger als für Männer. Über die Gründe dafür wird oft diskutiert. Zweifelsohne wird eine Frau in einer Führungsposition immer noch kritischer beäugt als ein männlicher Kollege - und das beginnt schon beim Aussehen. Der weibliche Führungsstil ist meist auch anders geprägt als der der Männer. Es geht mehr um das Miteinander und die Leistung im Team.

Nicht zuletzt deshalb werden Frauen gern in Krisen an die Spitze gerufen. Man nennt dieses Phänomen die "Gläserne Klippe". Typisch weibliche Eigenschaften wie Empathie und Kommunikationsfähigkeit sind in einer schwierigen Phase sehr gefragt. Darüber hinaus behaupten böse Zungen, dass es auch noch andere Gründe für das Phänomen gibt. Falls die Managerin das Schiff erfolgreich in ruhigere Gewässer führt, kann dann wieder ein Mann übernehmen. Sollte sie aber scheitern, hat sich kein Mann seinen Lebenslauf verpatzt.

Ein berühmtes Beispiel ist die ehemalige britische Premierministerin Theresa May, der der Brexit zum Verhängnis wurde. Mehr Fortune hatte Karin Bergmann, die erste Burgtheaterdirektorin, die auf den 2014 entlassenen Matthias Hartmann folgte. In jedem Fall sehen Frauen ihr Leben, und damit auch ihre Karriere, ganzheitlicher als Männer. Das sollten wir als Chance begreifen.