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Die Impfung für Kinder rückt näher

Von Ronald Schönhuber

Politik
Bisher hat die EMA Impfstoffe nur für über Zwölfjährige freigegeben.
© asp / Kienzle

Die Slowakei gibt grünes Licht für die Fünf- bis Zwölfjährigen, die Zulassung durch die EMA könnte im November kommen.


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Für Sonderwege im Umgang mit der Pandemie war die Slowakei auch schon in der Vergangenheit offen. Anfang Juni hatte die Regierung in Bratislava den russischen Impfstoff Sputnik V als zweites EU-Land nach Ungarn zur Anwendung freigegeben. Dass das vom Gamaleja-Institut entwickelte Vakzin keine Zulassung der europäische Arzneimittelbehörde EMA hat, fiel dabei nicht ins Gewicht - möglicherweise auch, weil der ehemalige Premier Igor Matovic bereits 200.000 Dosen gekauft hatte.

Knapp drei Monate später schert die Slowakei nun auch beim Thema Kinderimpfungen aus. Denn mit Freitag lässt die Regierung die Corona-Impfung auch für alle Fünf- bis Zwölfjährigen zu, die ein Drittel der üblichen Dosis des Pfizer/Biontech-Impfstoffs Comirnaty bekommen sollen. Diese Dosierung ist auch in der groß angelegten Phase-III-Studie des Herstellers untersucht worden.

Um eine Immunisierung mit dem von der EMA für diese Altersgruppe noch nicht zugelassenen Impfstoffs zu bekommen, wird laut Gesundheitsminister Vladimir Lengvarsky die Zustimmung des behandelnden Arztes benötigt. Lengvarsky zufolge hätten Kinderärzte und Corona-Experten im Vorfeld der Entscheidung massiv auf eine Freigabe für die jüngeren Schulkinder gedrängt. Empfohlen wird die Impfung zunächst aber nur für Kinder, die selbst ein höheres Risiko, etwa durch eine chronische Atemwegserkrankung, tragen, oder bei denen ein Familienmitglied zu einer vulnerablen Gruppe gehört.

Eine Frage der Dosierung

Bis in Ländern, die so wie Österreich auf das grüne Licht der EMA warten wollen, die Gruppe der unter 12-Jährigen geimpft werden kann, wird es allerdings dauern. Denn jüngere Kinder sind medizinisch betrachtet keine kleine Erwachsenen und die EMA verlangt vor der Freigabe für diese Altersgruppe umfangreiche Daten aus Studien mit mehreren tausend Probanden, die genau das berücksichtigen. So hat etwa Biontech seit März 2021 Phase-I/II/III-Studien in Finnland, Spanien, Polen und den USA durchgeführt, bei denen in drei Altersgruppen (sechs Monate bis zwei Jahre, zwei bis fünf Jahre und fünf bis zwölf Jahre) verschiedene Dosierungen untersucht wurden. Auch der US-Konkurrent Moderna testet derzeit die Sicherheit und Wirksamkeit seines mRNA-Impfstoffs in Untersuchungsreihen mit tausenden Kindern.

Bei Biontech sind die umfangreichen klinischen Studien laut Firmenchef Ugur Sahin mittlerweile auch schon abgeschlossen. Bis zu einer Einreichung bei der EMA für die Gruppe der Fünf- bis Zwölfjährigen werden dennoch noch Wochen vergehen, weil das Unternehmen zuvor noch die Daten analysieren und zusammenstellen muss. Zwischen Ende September und Mitte Oktober dürfte man Sahin zufolge aber so weit sein, dass eine Zulassung beantragt werden kann. Die EMA selbst benötigt dann allerdings ebenfalls Zeit für ihre eigenen Untersuchungen, sodass es für die Gruppe der jüngeren Schulkinder wohl erst im November eine Entscheidung geben wird. Die Freigabe für die beiden anderen Gruppen dürfte aufgrund der später abgeschlossenen Phase-III-Studien überhaupt erst im Dezember beziehungsweise nach Jahreswechsel möglich sein.

Fauci für Kinderimpfung

Ähnlich wie Europa sieht auch der Zeitplan in den USA aus. Hier hofft der Virologe Anthony Fauci, der Präsident Joe Biden im Umgang mit der Pandemie berät, auf eine Freigabe der Arzneimittelbehörde FDA noch vor den Thanksgiving-Feiertagen Ende November. Fauci hat sich angesichts der deutlich ansteckenderen Delta-Variante auch schon für eine breite Durchimpfung der jüngeren Schulkinder ausgesprochen.

Wie dringend Kinder unter zwölf Jahren geimpft werden müssen, ist allerdings umstritten. So führt die Delta-Variante bei Kindern laut den jüngsten Studienerkenntnissen nicht zu schwereren Krankheitsverläufen, viele namhafte Epidemiologen verweisen aber auf die Gefahren von LongCovid auch bei Jüngeren und die Notwendigkeit einer möglichst hohen Impfrate, um die Pandemie nachhaltig einzudämmen.