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Die Kärntner Hypo - ein Fall fürs Lehrbuch

Von Stefan Melichar

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Das Drama um Aufstieg und Absturz der Kärntner Hypo wird wohl in die Geschichtsbücher eingehen, genauso gut eignet sich der Stoff jedoch für die Fachliteratur: Selten konnte derart klar bewiesen werden, welch desaströse Auswirkungen es haben kann, wenn Politik und Wirtschaft - trotz ihrer fundamentalen Gegensätze - zu einer untrennbaren Einheit verschmelzen.


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Normalerweise haben Wissenschafter, die in freier Wildbahn kausale Zusammenhänge erforschen, das Problem, dass Störvariablen das Bild verfälschen. Dies ist hier nicht der Fall - das Hypo-Debakel im Polit- und Wirtschaftsbiotop Kärnten gleicht einem Experiment unter Laborbedingungen. Man nehme: Ein starkes politisches System, das keine Einmischung von außen duldet und nach innen vollen Rückhalt genießt. Eine Bank, die Ambitionen hat, welche zwar die eigenen Möglichkeiten übersteigen, deren Management sich jedoch ausschließlich aus dem eigenen Umfeld rekrutiert. Dann noch Prestigeprojekte, die es zu finanzieren gilt - und einen unerschütterlichen Glauben an die Allmacht des großzügigen Landesvaters. Gut schütteln, und fertig ist das explosive Gemisch.

Nach dem großen Knall erstaunt nun, wie all das gerechtfertigt wird: "Wieso hätte man glauben sollen, dass der Kredit ausfallen könnte, wo doch das Land Kärnten auch Geld investiert hat?" "Es hat doch eine Aktennotiz zwischen dem und dem Politiker gegeben, wieso hätten wir uns da nicht darauf verlassen sollen?" "80 Prozent höchste Unprofessionalität, 20 Prozent Gaunereien", so analysieren Branchenkenner die Causa Hypo. Dass - anders als in der Politik - im Wirtschaftsleben Blauäugigkeit rasch ins Kriminal führen kann, haben einige aber offenbar übersehen.

Nun wäre es an der Zeit, ähnliche Experimente in Österreich zu überdenken. Wirtschaftlich-politische Symbiosen in eingegrenzten Habitaten gibt es nicht nur in Kärnten.