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Die Konfrontation

Von Friedrich Korkisch

Gastkommentare
Friedrich Korkisch leitet das Instituts für Außen- und Sicherheitspolitik in Wien.

US-Präsident Barack Obama hat einen unglaublichen Fehler begangen: Er hat sich die Kirchen zum Feind gemacht.


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Die Verleihung der Grammy Awards begann mit einem Gebet, und die 1000 anwesenden Gäste standen auf und gedachten auch der kurz vor der Gala tot aufgefundenen Whitney Houston. Das ist echtes Amerika.

Echtes Amerika ist auch, dass die meisten Bundesstaaten durch Proposition bei den Wahlen der vergangenen Jahre nach wie vor gleichgeschlechtliche Ehen immer wieder abgelehnt haben, so auch in Illinois und Kalifornien. In Virginia hat das Parlament 2011 zweimal mit 63 zu 36 und 66 zu 32 Abtreibungen in den Spitälern des Staates abgelehnt. Bei Umfragen haben sich 65 Prozent der Amerikaner gegen gleichgeschlechtliche Ehen ausgesprochen, aber 63 Prozent haben nichts gegen Ehen zwischen Angehörigen verschiedener Rassen. Das sind Dauerthemen.

Am linken Flügel der Demokraten sind Aktivisten rege, die die katholischen Privatspitäler dazu zwingen wollen, Abtreibungen durchzuführen, die fordern, den weiblichen Bediensteten von solchen Spitälern, Universitäten, Schulen und karitativen Einrichtungen kostenlosen Zugang zu Verhütungsmitteln zu ermöglichen, die die Kirche und die Catholic Health Association dazu zwingen wollen, Abtreibungen in ihre Krankenversicherungsverträge aufzunehmen, obwohl die Versicherungen das ablehnen. Die Kirchen als Dienstgeber sollen für Abtreibungen zahlen, wenn die Bediensteten nicht versichert sind (etwa Freiwillige im Sozialhilfebereich), und bei Versicherten mitzahlen, weil bei vielen Versicherungen die Beiträge zur Hälfte von den Arbeitgebern zu bezahlen sind. Jeder weiß aber, dass die katholische Kirche strikt gegen Abtreibungen ist.

Was US-Präsident Barack Obama Ende Jänner dazu bewogen hat, genau diese Forderungen aufzugreifen und - um noch eins draufzusetzen - die Kirchen zwingen zu wollen, Frauen auch Schwangerschaftsverhütungsmittel gratis zur Verfügung zu stellen, kann man nur noch als Dummheit bezeichnen, waren doch 55 Prozent der Katholiken im Jahr 2008 Obama-Wähler.

Prompt schossen sich umgehend alle Republikaner-Präsidentschaftskandidaten gegen Obama und seine "Contraception Policy" sowie Sozialministerin Kathleen Sebelius ein, die die Urheberin dieser Politik ist. Die Konservativen berufen sich auf das "1st Amendment" der Verfassung, das dem Staat verbietet, sich in Kirchenangelegenheiten einzumischen. Am 10. Februar machte Obama einen Rückzieher, aber der Schaden war angerichtet. Solche Fehler können ihn die Wahlen kosten. Das "Time Magazine" und New Yorks Kardinal Timothy Dolan fanden kritische Woret, aber die größte Breitseite kam von Kardinal Donald Wuerl, der im TV erklärte, die Politiker würden Politik gegen die Bürger machen. Er schoss sich auch auf den Obersten Gerichtshof ein, der den Willen der Mehrheit negiere: "For everyone, an apple is an apple, and an orange is orange. But the Supreme Court will tell us we are all wrong." Die "political correctness" habe das Klima in den USA vergiftet, die Wahrheit trete hinter den Forderungen einer winzigen Minderheit zurück, die der Mehrheit ständig ihren Willen aufzwinge.