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Die Lehren aus dem Wettskandal: Es braucht stärkere Regulationen

Von Simon Rosner

Analysen

Es sind viele Platitüden, die man dieser Tage im Zuge des großen Wettskandals im Fußball zu hören bekommt: Vom vielen Geld ist da die Rede, das im Fußball und mit dem Fußball zu verdienen ist, und dass niemand überrascht sein sollte, wenn diese Summen betrügerische Elemente anlocken.


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Vermutlich aber dient aber gerade das viele Geld auch als eine Art Schutz. Wer etwa Cristiano Ronaldo bestechen will, damit dieser in der Champions League einen Elfmeter vergibt, muss wohl so tief in die Tasche greifen, dass sich der Versuch nicht auszahlt.

Anders ist das freilich in kleinen Ligen, bei kleineren Vereinen. Dort, wo der Fußball nur in Ansätzen professionell ist, wo Spieler, Funktionäre und Schiedsrichter weit weniger verdienen. Manchmal fast gar nichts. Doch auch auf jene Partien, die meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, kann gewettet werden. Fast überall. Und dagegen ist kaum ein Mittel möglich.

Die Wettanbieter, die auch zu den Geschädigten zählen, schützen sich, indem sie auf diese Spiele nur geringe Einsätze erlauben. Doch irgendwo findet sich schon ein Anbieter, etwa in China oder in Russland. Es sind zum Teil nicht lizenzierte Bookies, was Betrüger freilich wenig stört.

Das Internet ist grenzenlos, bei Sportwetten aber gar nicht einmal so anonym wie in anderen Bereichen. Der Betrug findet daher eher nicht online statt. In Österreich lässt sich nach wie vor in den Wettbüros anonym tippen, alles in bar, ohne Ausweiskontrolle. Es wäre für die Regierung ein Leichtes, das Wettgeschäft zu entanonymisieren, dazu bedarf es lediglich eines Gesetzes. Das würde Manipulation zwar nicht gänzlich vermeiden, doch die Möglichkeiten für Betrüger beschränken. Nun wäre eine Gelegenheit dazu, der internationale Wettskandal ein guter Anlass für ein Gesetz.

Ein solches wäre ein erster Schritt, doch die Liberalisierung des Wettmarktes in Europa verlangt auch stärkere Regulationen, die europaweit passieren müssen. Vielleicht muss die Liberalisierung dieses sensiblen Bereichs generell neu überdacht werden. Sie zurückzunehmen, ist aber unrealistisch und würde vermutlich illegale Wettbüros wuchern lassen. Das ist auch keine Lösung.

Zu hinterfragen aber ist die zunehmend enger werdene Verschränkung von Fußball und Wettgeschäft. Zwar ist auch in Urzeiten des Tippens das staatliche Toto als Financier aufgetreten (und tut dies bis heute), doch der große, längst global geführte Wettbewerb der Anbieter hat die Werbung und das Sponsoring aggressiver werden lassen.

Österreichs oberste Spielklasse etwa trägt seit zwei Saisonen den Namen Tipp3-Bundesliga. Tipp3 ist das Sportwettenangebot der heimischen Lotterien. Am Freitag könnte Vorstand Dietmar Hoscher auch zum Präsidenten der Liga designiert werden. Ob dies im Angesicht des Wettskandals ein richtiges Signal ist?