Zum Hauptinhalt springen

Die leise Stimme des Fortschritts

Von Judith Belfkih

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 7 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Das Getöse rund um den neuen US-Präsidenten ist gewaltig. Mitunter übertönt es Errungenschaften des Menschen auf Gebieten jenseits des Populismus, die ob der Omnipräsenz des postfaktischen Donners mit vergleichsweise zarter Stimme sprechen. Was die langfristigen Konsequenzen angeht, könnten jedoch gerade diese vordergründig leisen Meldungen die Menschheit nachhaltiger verändern.

Deutsche Forscher etwa haben eine "Kopfhaube" - interessante Terminologie angesichts der vielen anderen Haubengattungen - entwickelt, mit der sie Gedanken von gelähmten Patienten lesen können. Diese können mit der neuen Methode kommunizieren und zumindest Fragen mit Ja oder Nein beantworten.

Schweizer Forscher haben einen Temperatursensor für künstliche Haut entwickelt, der exakter misst als echte Haut. Und US-Forscher berichteten gerade von der erfolgreichen Zucht einer Mensch-Schwein-Chimäre im Labor. Das Ziel ist auch hier ein hehres. Die Wissenschafter wollen die Züchtung von voll funktionsfähigen Organen vorantreiben, die man in weiterer Folge kranken Menschen transplantieren könnte. Abgesehen von offenen ethischen Fragen und moralischen Bedenken: Die aus diesen Errungenschaften entstehenden Weiterentwicklungen und auch deren - bei Fortschritt immer auftretende - missbräuchliche Verwendung liefern ein schier unermessliches Reservoir an teils schauderbaren Szenarien.

Mögen die lauten Polterer auch weiterhin die leisen Meldungen zumindest selbst überhören, um nicht auf noch gefährlichere Gedanken zu kommen.