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Die Liste Pilz auf Werbetour

Von Barbara Schuster

Politik
Tobias Meischl, Gabriele Jarisch und Erwin Hemetsberger auf Stimmenfang am Kutschkermarkt in Wien. Auch sie sind Programm - denn bei Pilz gilt: Die Kandidaten sind das Programm.
© Barbara Schuster

Mehr Geld für Gesundheit und Bildung, aber noch ohne Finanzierungsplan.


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Wien. Am unteren Ende des Kutschkermarktes Ecke Währinger Straße in Wien ist ein kleiner Tisch mit einem überdimensionalen Pappmaschee-Ohr aufgestellt. Drei Kandidaten der Liste Pilz sprechen vorbeieilende Passanten an. Man wolle "Präsenz zeigen" und ein "offenes Ohr" für die Anregungen, Sorgen und Probleme der Bürgerinnen und Bürger haben, erklärt Erwin Hemetsberger. Der Währinger aus Oberösterreich ist einer der Kandidaten der Liste Wien und stellte sich gemeinsam mit zwei weiteren Kandidaten am vergangenen Donnerstag den Fragen der Bürger. Die Anregungen sollen gesammelt und anschließend innerhalb der Liste Pilz gemeinsam diskutiert werden, erläutert Hemetsberger weiter.

Ein Parteiprogramm gibt es bisher nicht, die Kandidatinnen und Kandidaten seien das Programm, wie Peter Pilz immer wieder betont. Auch auf der Homepage der Liste Pilz ist das so zu lesen.

"Eher Ja" zur Gesamtschule

Ein Gespräch vor Ort mit einigen der Kandidaten dürfte demnach eine gute Gelegenheit sein, um konkrete Ziele in Erfahrung zu bringen. Und Ziele gibt es genug, so scheint es. Hemetsberger studierte Handelswissenschaften an der WU Wien, berät Start-ups beim universitären Gründerservice INiTS und arbeitet zudem als Psychotherapeut. Er fordert eine "zeitgemäße Bildungspolitik". Darunter versteht Hemetsberger unter anderem die frühzeitige Vorbereitung der Kinder und Jugendlichen auf die Digitalisierung. Er schlägt vor, Kinder ab zehn Jahren mit Laptops oder Tablets in der Schule auszustatten. Das will bekanntlich auch die SPÖ. Auch bei der Frage nach der Gesamtschule tendiert die Liste Pilz mit einem "eher Ja" zur SPÖ.

In der psychischen Gesundheitsversorgung sieht Hemetsberger Aufholbedarf. "Psychotherapie muss für alle leistbar werden", sagt er. Durchschnittlich kostet eine Stunde Psychotherapie etwa 90 Euro, einheitliche Kassenverträge gibt es nicht, erklärt er.

Auch Tobias Meischl, Student der Humanmedizin und ebenfalls Kandidat der Liste Pilz, fordert eine Gesundheitsreform. "Der Patient muss im Mittelpunkt stehen", derzeit sei das nicht der Fall, meint Meischl. Er beklagt die viel zu hohen Verwaltungskosten und das ineffiziente Wirtschaften der Krankenhäuser. Wie auch Hemetsberger fordert Meischl mehr Geld für das Gesundheitssystem und die Spitäler. Wo man das Geld dafür hernehmen soll? "Das kann man sich dann immer überlegen", antwortet Meischl knapp.

Adipositas vorbeugen

Gabriele Jarisch verteilt unterdessen Flyer und versucht jeden vorbeihastenden Passanten anzusprechen. Die Orthoptistin und Gründerin einer Gemeinschaftspraxis für Orthoptik, Diätologie und Physiotherapie verschreibt sich ganz den Themen Gesundheitsprävention und Gesundheitskompetenz im Bildungswesen. Etliche Entwicklungsdefizite bei Kindern könnten durch Früherkennungsprogramme eingedämmt werden. Diese sollen bundesweit finanziert und unter den gleichen Qualitätskriterien angeboten werden, fordert Jarisch.

Ein weiteres großes Problem sieht Jarisch in dem Mangel an Bewegung gerade bei Kindern und Jugendlichen. Um der steigenden Zahl der adipösen Schüler vorzubeugen, setzt sich die Orthoptistin für Präventivmaßnahmen in Form von Bewegungsprogrammen ein. Das Pilotprojekt der täglichen Turnstunde sieht sie zwar als Schritt in die richtige Richtung, reichen kann das aber nicht. Auch sollen Schüler künftig im Unterricht vermehrt über ausgewogene Ernährung aufgeklärt werden. Wie das alles umgesetzt werden könnte, kann Jarisch nicht beantworten. Sie räumt ein, "keine Expertin auf dem Gebiet" zu sein, und sagt weiter: "Das müssen sich dann die Experten anschauen, wie man das umsetzt."