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Die Macht der Homo-Ehe

Von Christina Böck

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Es ist also wieder die Saison der Rundumschläge. Regisseur Helmut Dietl hatte zum Beispiel das Bedürfnis, seinem Ärger über das deutsche Fernsehprogramm Luft zu machen. Er meinte in einem Interview, es wäre mal Zeit, "etwas anderes zu machen als diesen Mist, der da tagtäglich für eine Zwangsgebühr gesendet wird, ganz egal, ob man den Schmarrn anschaut oder nicht". Eventuell wird er auch hierzulande den einen oder anderen Mit-

streiter für diese Theorie finden.

Apropos Mist: Für mehr Aufregung dürfte die Aussage des russischen Regisseurs Nikita Michalkow sorgen. Der sorgt sich gleich um den Untergang des Abendlandes. Und schuld sind wieder einmal die Homosexuellen. Seiner Meinung nach schädigen Homo-Ehen die Filmindustrie. "Es kann keine gesunden und energiereichen Filme in der Welt geben, wo gleichgeschlechtliche Ehen gesetzlich erlaubt sind", sagte der Oscar-Preisträger. "Was ist noch vom Kino zu erwarten, wenn unnatürliche Dinge zur Norm werden?", legte er nach.

Empirisch untermauert hat der Mann seine Theorie nicht. Ist auch schwierig, denn in Ländern wie Dänemark, das bereits 1989 die Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern erlaubt hat, schaut das Filmleben relativ quicklebendig und demnach auch recht gesund aus. Auch in Frankreich, das erst heuer die sogenannte Homo-Ehe erlaubt hat, ist bis jetzt nichts davon bekannt, dass die Parole ausgegeben wurde, dass ab sofort nur mehr Filme mit homosexuellen Inhalten produziert werden dürfen. Aber wie Helmut Dietl schon richtig erkannt hat: Manchmal ist Mist einfach nur Mist.