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Die Mär vom Bettelstudenten

Von Katharina Schmidt

Politik

60 Prozent der Studenten arbeiten. | Soziale Schere beim Uni-Zugang geht zusammen. | Wien. Studenten habens gut. Sie müssen kaum Leistungen erbringen, verbringen ganze Nächte in Diskos und frönen dem vom Papa finanzierten Nichtstun.


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Dass derartige Vorstellungen ebenso in den Bereich der Märchen gehören wie die Geschichte vom armen Bettelstudenten, zeigt nun eine Untersuchung, die das Institut für Höhere Studien (IHS) für das Wissenschaftsministerium erstellt hat. Für die "Studierenden-Sozialerhebung 2006" wurden knapp 9000 Studenten zu Finanzlage und persönlichen Umständen befragt.

Demnach haben Studenten durchschnittlich 1040 Euro monatlich zur Verfügung, hier wurden auch die Naturalleistungen wie Nahrungsmittel berücksichtigt. Unterschiede zwischen den sozialen Schichten gibt es vor allem bei den Einkommensquellen (siehe Grafik).

Insgesamt sind 60 Prozent der Studenten nebenher berufstätig, gegenüber 2002 ist die Berufstätigkeit der Studenten um 6 Prozent zurück gegangen. Dies zeige, dass die Einführung der Studiengebühren 2002 keine verstärkte Erwerbstätigkeit zur Folge hatte, hieß es.

Rund zwei Drittel erhalten Förderungen, den Großteil machen mit 58 Prozent die Familienbeihilfeempfänger aus. Staatliche Beihilfen erhalten 24 Prozent.

Hahn: Lebensumstände nicht schlechter

"Die Studie zeigt zur Überraschung mancher, dass die Lebensumstände der Studenten in den vergangenen Jahren nicht schlechter, sondern tendenziell besser geworden sind", meinte Wissenschaftsminister Johannes Hahn. Er will die Ergebnisse in die für Herbst geplante Reform des Stipendienwesens einfließen lassen: So sollen die Einkommensgrenzen für Beihilfenbezieher vereinheitlicht und angehoben werden.

Auch die soziale Selektion bei Studienanfängern hat sich gebessert: "Die soziale Schere geht etwas zusammen", erklärte Martin Unger vom IHS. Waren 1990 die Kinder von Maturanten und Akademikern gegenüber jenen aus "bildungsfernen" Schichten noch um den Faktor vier überrepräsentiert, so liegt dieser Faktor jetzt nur noch bei drei.

Dies ist laut Unger auf die Entwicklung der Fachhochschulen (FH) zurückzuführen, bei denen besonders auf die soziale Durchmischung geachtet werde. Auffallend ist, dass für den Besuch einer FH Aufnahmeprüfungen absolviert werden müssen. "In Fächern, wo es Aufnahmeprüfungen gibt, ist die soziale Symmetrie besser", sagte Hahn. "Ich halte trotzdem am freien Hochschulzugang fest."

Eine Ausweitung der Stipendien fordert neuerlich die Hochschülerschaft (ÖH). Die durchschnittliche Studienbeihilfe sei von 341 Euro im Jahr 2002 auf 316 gefallen. Schon die Abgeltung der Inflation würde eine Beihilfe von 370 Euro bedeuten. SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal fordert einen runden Tisch zur Uni-Politik im September.

Die komplette Studie ist im Internet abrufbar: www.bmwf.gv.at