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Die Misere der Unis - eine unendliche Geschichte ohne Aussicht auf Lösung

Von Katharina Schmidt

Analysen

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Ja, die Debatte ist ein alter Hut und womöglich dem nicht enden wollenden Sommerloch geschuldet. Was aber der Tatsache keinen Abbruch tut, dass das Problem immer noch einer Lösung harrt und sich derzeit wieder einmal massiv zu verschlimmern droht.

Die Rede ist von der Misere der österreichischen Universitäten. Abermals haben die Rektoren in den vergangenen Tagen auf ihre Budgetsituation hingewiesen und von 300 Millionen bis zu einer Milliarde Euro zusätzlich pro Jahr gefordert. Dahinter mag eine Art dramatisierender Aktionismus stecken, um sich überhaupt einmal Gehör zu verschaffen. Dass die von der Regierung zur Verfügung gestellten Offensivmittel in der Höhe von 20 Millionen Euro jährlich für 2011 und 2012 nicht ausreichen werden, ist allerdings klar, hat doch alleine die TU Wien in einem Jahr mehr als 13 Millionen Euro Verluste geschrieben.

Fast scheint es als hätte die Regierung aus den Studentenprotesten von vor bald zwei Jahren nichts gelernt. Andererseits wird es für Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle in Zeiten knapper Kassen wohl auch schwer, die Interessen seiner ehemaligen Rektorenkollegen durchzusetzen. Damit die schwächelnde Qualität der Massenstudien nicht weiter absinkt, gäbe es die Möglichkeit einer Studienplatzfinanzierung, die auch schon längere Zeit im Raum steht. Weil aber eben nicht unendlich viel Geld zur Verfügung steht, müsste dies mit einer Studienplatzbeschränkung einhergehen. Diese einhellige Expertenmeinung ist mittlerweile auch zu Teilen der SPÖ durchgedrungen, deren Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl sprach sich aber am Freitag erneut dagegen aus.

In engem Zusammenhang mit Zugangsbeschränkungen steht auch die Debatte über die deutschen Studierenden. Hier gibt es - etwa in Form der Medizinerquote - bisher nur halbherzige Lösungen. Dabei sollte klar sein, dass sich Österreich mit dem EU-Beitritt dazu verpflichtet hat, EU-Bürgern dieselben Rechte wie Einheimischen zu gewähren. Würde man also generelle Aufnahmetests einführen, gäbe es auf EU-Ebene kein Problem mehr.

Will man dies nicht und kehrt stattdessen, wie es derzeit überlegt wird, zum Herkunftslandprinzip zurück (nur wer in seiner Heimat einen Studienplatz hat, darf auch in anderen Ländern studieren), würde dies die ohnehin bei der Bildung kaum vorhandene europäische Integration zurückwerfen. Bleibt also eine gesamthafte Lösung auf Unionsebene - etwa in Form eines gemeinsamen Geldtopfs, aus dem die Studienkosten nach dem Prinzip "the money follows the student" gedeckt werden.

Doch anstatt sich für eine solche Lösung in Brüssel einzusetzen, ergeht sich die Koalition in ideologischen Streitereien um Studienplatzbeschränkungen und Gebühren. Ein immer wiederkehrender alter Hut eben.

analyse@wienerzeitung.at

Bericht - Seite 10

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