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Die Musik spielt noch länger am Balkan

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

"16% auf Einkommen und Gewinne - damit ist Rumänien zu einem Steuerparadies karibischen Ausmaßes geworden", so der Handelsdelegierte der Außenwirtschaft Österreich, Walter Friedl, gestern im Rahmen eines Pressegesprächs. Doch niedrige Steuern sind nicht das ausschlaggebende Kriterium für die Investitionsentscheidungen, waren sich die Handelsdelegierten aus Südosteuropa einig, die unisono über eine boomende Region und ein hohes Engagement heimischer Firmen berichteten.


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"Ob in einem Land die Unternehmenssteuer 18, 16 oder 14% beträgt ist egal", meint Herbert Preclik von der Außenhandelsstelle in Serbien-Montenegro. Viel wichtiger sei die Stabilität der Rahmenbedingungen. Aber natürlich sollte der Unterschied zwischen den Ländern nicht zu groß sein, räumt er ein. Alleine die niedrige Unternehmenssteuer von 10% in Montenegro locke jedenfalls keine Investoren an. Bisher sind rund 106 österreichische Firmen in Serbien-Montenegro aktiv, doch die meisten davon ausschließlich in Serbien, nicht in Montenegro.

Rumänien hingegen ist für den österreichischen Außenhandel immerhin schon so wichtig wie China, erklärte der stellvertretende Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO), Christian Kesberg. Betrachte man die ganze Region Südosteuropa, so würden praktisch "vier Chinas" vor Österreichs Haustür liegen. Zwar sei der Stellenwert dieser Märkte mit einem gesamten Exportvolumen von 5,5 Mrd. Euro bzw. 5% an den heimischen Ausfuhren vergleichsweise gering, mit 16% Wachstum liegt die Dynamik aber über dem gesamten Exportwachstum von 12%. "Österreich ist in Rumänien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und wahrscheinlich bald auch in Bulgarien der größte Investor", so Kesberg "wir glauben daher, dass die Musik dort noch eine Zeit spielen wird".

Allein in Rumänien haben die Österreicher in den vergangenen 10 Jahren 3 Mrd. Euro investiert, dabei habe der Boom erst im Jahr 2001 so richtig angefangen, berichtet Friedl. "Rumänien hat eine Schrecksekunde von 10 bis 11 Jahren gebraucht", doch nun seien bereits 3.500 Firmen mit österreichischer Kapitalbeteiligung in Rumänien registriert, die insgesamt rund 100.000 Mitarbeiter beschäftigen. Das niedrige Lohnniveau sei zwar ein Argument für Rumänien, aber wer nur darauf abziele, werde bald weiter, eben zum Beispiel nach China, ziehen. Die österreichischen Unternehmen aber würden bleiben und weiter investierten, berichtet Friedl - Investments gingen nun zunehmend auch in Regionen, in denen die Firmen bisher noch nicht aktiv waren, wie etwa Siebenbürgen. Dort werde nun eine Autobahn gebaut, die Leute seien gut ausgebildet und würden zudem auch Deutsch sprechen.

Problematisch sei es allerdings nach wie vor um die Rechtssicherheit bestellt. Es gibt zwar die entsprechenden Gesetze, aber bei der Umsetzung spießt es sich nach wie vor. "Am besten, die Unternehmen schauen, dass sie in keinen Rechtskonflikt kommen", meint dazu Hermann Ortner von der Außenhandelsstelle Sofia.