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Die Nasa als Popkritikerin

Von Christina Böck

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So jung, das neue Jahr, und hat schon einen Popskandal. Schuld ist R’n’B-Sängerin Beyoncé. Die hat auf ihrem neuen Album einen Song namens "XO" veröffentlicht, und der gefällt der Nasa nicht. Ja, der US-Weltraumbehörde. In den Song steigt Beyoncé nämlich mit einem historischen Tondokument ein: In den ersten Sekunden ist der ehemalige Nasa-Sprecher Steve Nesbitt zu hören, wie er kurz nach der Explosion der "Challenger" am 28. Jänner 1986 sagt: "Fluglotsen untersuchen die Situation sehr genau. Offensichtlich handelte es sich um eine Fehlfunktion." Dieses Statement gab Nesbitt im Mission Control Center in Houston wenige Minuten, nachdem sieben Astronauten bei dieser Explosion gestorben waren. Es sei "bedenklich und bedauerlich", dass Beyoncé ausgerechnet diese Aufnahmen für einen Popsong benutzt habe, sagte die Nasa.

Und die Witwe des Space-Shuttle-Kommandanten Scobee erklärte, sie sei "enttäuscht" und traurig" gewesen, als sie das Lied zum ersten Mal gehört habe. Beyoncé weist darauf hin, dass sie mit dem Song Menschen über den Verlust eines Geliebten hinweghelfen will. Und das Space Shuttle steht dabei als Metapher dafür, dass man nie etwas als selbstverständlich ansehen sollte.

Dass die Hinterbliebenen der "Challenger"-Katastrophe das nicht sehr taktvoll finden, ist verständlich. Dass die Nasa sich bemüßigt fühlt, einen Popsong zu kritisieren, ist etwas befremdlich. Die Kunst hat sich schon immer der Geschichte bedient, um einen Standpunkt pointiert zu vermitteln. Ganz egal, ob mehr oder weniger elegant: Das ist etwas, was sie darf, die Kunst.