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Die olympischen Horden

Von Barbara Ottawa

Politik

Nicht alle sind glücklich, dass die Winterspiele 2010 in Vancouver, Kanada, stattfinden werden - und die Rede ist hier nicht von den Österreichern. Indigene Nationen rund um Vancouver befürchten schwere Schäden an der Natur der Region.


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"Ich werde sie stoppen. Wenn es sein muss, lege ich mich vor die Maschinen. Wir müssen unser Land beschützen", sagt Rosalin Sam von den Lil'wat Indianern.

Noch mehr Land, das die indigenen Völker Kanadas nutzen und auf dem sie seit Jahrhunderten leben, könnte durch die Olympischen Spiele zerstört werden. Mount Currie, zum Beispiel, auf dem Wintersportstätten errichtet werden sollen, ist der Lebensraum von Bären, Wild und Bergziegen. Außerdem ist die Region traditionelles indigenes Jagdgebiet. Weiters wachsen dort Beeren und Pflanzen, die von 11 indigenen Nationen für medizinische Zwecke genutzt werden.

Eine Seite der Medaille

"Das IOC hat uns nicht angehört", klagt Sam die offiziellen Stellen an. Neben der Zerstörung der Natur hätte Kanada auch wegen Verstöße gegen die Menschenrechte Indigener nie die Winterspiele 2010 zugesprochen bekommen dürfen, steht in einer gemeinsamen Aussendung betroffener Indianernationen zu lesen.

Andere Indigene sehen in den Olympischen Spielen eine Chance. Diese wurden vom IOC nach Prag eingeladen, um dort die Anliegen der Indigenen vorzubringen. Doch sie hatten nichts dagegen einzuwenden, dass auf ihrem Territorium gebaut wird. Viele andere Nationen sind aber besorgt um die Zukunft ihres Lebensraumes.

Das Problem seien nicht nur die Olympischen Spiele, sondern auch die Werbung, die durch sie für das Wintersportgebiet Vancouver/Whistler gemacht wird, so Sam. Für mehr Touristen müssen mehr Skigebiete erschlossen werden - die meisten auf Land, das den Indigenen seit Jahrhunderten gehört und das sie nie an die Regierung abgetreten haben.

Die "Wiener Zeitung" verfolgt, wie aufmerksame Leser wissen, seit langem den Kampf der Shuswap Indianer gegen den Ausbau der Wintersportstätten im Sun Peaks Ski Resort. Der Einfall der "olympischen Horden" und diverser touristischer Anhänge bedeutet einen schweren Rückschlag in den jahrelangen Bemühungen der Shuswap.