Die "Oscars" der Wissenschaft

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Von links: Bildungsminister Polaschek, Quantenphysiker Weihs, Philosoph Crane, Byzantinistin Rapp, Mikrobiologe Wagner, Chemiker Rupprechter, FWF-Chef Gattringer.
© FWF / Daniel Novotny

Höchstdotierte Forschungsförderung wurde fünf "Clusters of Excellence" zuerkannt.


Quantentechnologie, Materialien für die Energiewende, Mikrobiomforschung, Wissen in der Krise und das Kulturerbe Eurasiens sind die Themen der ersten "Clusters of Excellence". In den kommenden fünf Jahren fließen 135 Millionen Euro in die bisher höchstgeförderten Forschungsvorhaben Österreichs. Nach einer Evaluierung in der Halbzeit soll es eine zweite Fördertranche für die auf zehn Jahre angelegten Verbund-Projekte geben, erklärten der Wissenschaftsfonds FWF und das Bildungsministerium am Montag in Wien. Die Verbünde nehmen die Arbeit im Sommer auf.

Diesen ersten Zuteilungen des mehrteiligen Exzellenz-Programms des FWF war eine lange forschungspolitische Diskussion vorausgegangen. Bereits mehrere Regierungen hatten sich das Vorhaben ins Programm geschrieben. Jetzt wird Top-Grundlagenforschung nach deutschem Vorbild in den Fokus gerückt - wobei allerdings im Nachbarland fünf Milliarden Euro in den Bereich fließen.

In Österreich sollen über die Exzellenzzentren Forschungsfelder auf Spitzenniveau verankert werden. Teams von ab drei Universitäten und/oder Forschungseinrichtungen erhalten für zukunftsweisende Großprojekte jeweils bis zu 70 Millionen Euro über zehn Jahre. 60 Prozent stellt der FWF als größte Agentur für Grundlagenwissenschaft zur Verfügung, 40 Prozent kommen von den Institutionen.

Konkret schüttet der FWF in der ersten Fünf-Jahres-Periode insgesamt 81 Millionen Euro an fünf Forschungsinstitutionen, an denen die Exzellenzcluster angesiedelt sind, aus. Die Unis oder außeruniversitären Einrichtungen steuern 54 Millionen Euro bei. Die restlichen 13 Millionen fließen aus EU-Wiederaufbaumitteln für die Covid-19-Krise in die neuen "Leuchttürme" der österreichischen Forschungslandschaft. Als solche bezeichneten die Initiatoren die in einem mehrstufigen Verfahren ausgewählten Verbünde, wobei den Naturwissenschaften höhere Budgets zugeteilt wurden als den Geisteswissenschaften.

Der von Gregor Weihs von der Universität Innsbruck geleitete Verbund "Quantum Science Austria" bekommt in den ersten fünf Jahren 35 Millionen Euro (davon gemäß dem Schlüssel 21 Millionen vom FWF). Weihs sieht den Cluster als Möglichkeit, die auf rund 60 Forschungsgruppen angewachsene heimische Quantenphysik-Community zusammenzuhalten.

"Wissen in der Krise"

Angesichts der "Oscar"-Gala Sonntagnacht sagte Günther Rupprechter von der Technischen Universität Wien, Leiter des Clusters für Energiespeicherung, zur Zuerkennung: "Das ist für uns der Oscar." Mit einem Budget von rund 34,5 Millionen Euro wolle man das "große Speicherproblem" rund um den Ausbau erneuerbarer Energien in Angriff nehmen. Es sollen neue Materialien, die dies ermöglichen, oder auch neue Treibstoffe erforscht werden.

Alle Ökosysteme sind von Mikroorganismen besiedelt - vom Permafrost, bei dessen Auftauen organisches Material und Treibhausgase frei werden, bist zum Mikrobiom im Körper. Bakterienkulturen werden unter der Leitung des Mikrobiologen Michael Wagner von der Universität Wien untersucht. Mit einem Budget von 35 Millionen Euro solle es gelingen, sie "wirklich zu verstehen", sagte er.

"Wissen in der Krise" heißt ein mit 14,9 Millionen Euro dotiertes Vorhaben im Fach Philosophie, das Herausforderungen für "Wissen, Wahrheit und Kompetenz" nachgeht, erklärte Tim Crane von der Central European University (CEU). "Die enorme Menge von Information im Internet erschwert Einschätzungen, was richtig und was falsch ist." Paradoxerweise sei "in einer Zeit, in der wir Expertise mehr denn je benötigen, die Wissenschaft Angriffen ausgesetzt."

Für die ersten fünf Jahre seines Bestehens erhält der Verbund "EurAsia: Transformationsprozesse" 15,5 Millionen Euro. Er widmet sich dem kulturellen Erbe der Großregion unter der Leitung von Claudia Rapp von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Es gehe darum, die Region, die 70 Prozent der Weltbevölkerung umfasst, "in ihrer historischen Tiefe" zu verstehen.

"Wir erreichen eine neue Größenordnung", erklärte FWF-Präsident Christof Gattringer. Die "Cluster of Excellence" würden der Grundlagenforschung "neue Tore öffnen". Man werde aber auch darauf achten, dass die Erkenntnisse in Richtung Anwendungen weiterentwickelt werden. Mit der "bisher größten Initiative" ihrer Art in Österreich tätige man eine "langfristige Investition in wesentliche Zukunftsbereiche", betonte Bildungsminister Martin Polaschek.

Die Universität Wien ist als einzige Einrichtung an allen Verbünden beteiligt. Uni Innsbruck, TU Wien, ÖAW und das Institute of Science and Technology Austria kommen auf je drei Beteiligungen. Weitere Teilnehmer sind Uni Linz, CEU, Austrian Institute of Technology, Medizinuni Graz und die Unis Graz und Salzburg.(est)