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Die ÖVP-Krise erreicht den Bauernbund

Von Wolfgang Zaunbauer

Analysen

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Zehn Jahre lang stand Fritz Grillitsch an der Spitze des mächtigen ÖVP-Bauernbundes. Dabei machte er sich nicht nur Freunde. In Ausländerfragen zu weit rechts, gesellschaftspolitisch (Stichwort Homo-Ehe) zu liberal und dazu noch mit einer Freiheitlichen verbandelt - das konnte auf Dauer nicht gut gehen. Vor allem die Niederösterreicher waren zunehmend unzufrieden. Dabei spielte zweifellos die traditionelle Rivalität mit den Steirern in der ÖVP eine Rolle. Nun zog Grillitsch die nach der umstrittenen Einladung von Thilo Sarrazin als Gastredner unvermeidliche Konsequenz und trat zurück.

In den Medien war mit Jakob Auer als Interimslösung schnell eine mögliche Variante zur Hand. Ob dies dem Bauernbund gut täte, ist aber fraglich. Erstens sind Interimslösungen stets problematisch. Eine wirkliche Notwendigkeit dazu besteht nicht, die nächsten Nationalratswahlen stehen erst 2013 an. Man könnte sich also schon etwas Zeit lassen, einen Kandidaten zu suchen.

Zweitens ist Auer schon im vorgerückten Alter. Ein 63-Jähriger als Nachfolger eines 52-Jährigen ist nicht wirklich zukunftsweisend. Was noch dazukommt: Auer ist Oberösterreicher. Mit Christoph Leitl steht aber schon ein Oberösterreicher dem Wirtschaftsbund vor. In einer Partei wie der ÖVP, wo das Gleichgewicht der (wichtigen) Länder und Bünde alles ist, wäre das tunlichst zu vermeiden. Derselbe Grund spricht gegen den Niederösterreicher Hermann Schultes als Bauernbundpräsident, weil dieses machtbewusste Bundesland mit Michael Spindelegger und Johanna Mikl-Leitner bereits den Bundesobmann und die ÖAAB-Chefin stellt.

Für den innerparteilichen Frieden wäre also wohl neuerlich ein Steirer an der Spitze des Bauernbundes förderlich. Andernfalls könnte das ohnehin angespannte Nord-Süd-Verhältnis in der Volkspartei weiter verschärft werden. Kränkungen hatten die Steirer in letzter Zeit genug zu erdulden. In der Bundesregierung sind sie nur noch mit Beatrix Karl vertreten - die ist aber in der Landespartei nicht wirklich verankert.

Allerdings gibt es keinen aus dem steirischen Bauernbund, der sich wirklich als Integrationsfigur aufdrängt. Zudem befindet sich die gesamte Landespartei in einer Übergangsphase. Irgendwann werden sie sich finden müssen, wollen sie in der ÖVP ein bestimmender Faktor bleiben.