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Die personelle Klammer schließt sich

Von WZ-Korrespondent Tobias Käufer

Politik
Ex-Präsident Vazquez ist ab März wieder im Amt.
© reu/Pazos

In Uruguay gewinnt der Sozialist Tabare Vazquez die Präsidentschafts-Stichwahlen. Die Linke bleibt damit weiter an der Macht.


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Montevideo. Der Sozialist Tabare Vazquez hat die Stichwahl um die Präsidentschaft in Uruguay gewonnen. Der Kandidat der Linkskoalition Frente Amplio ("breite Front") siegte am Sonntag mit 53,6 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen seinen Rivalen Luis Lacalle Pou von der konservativen Partido Nacional, auf den 41,1 Prozent der Stimmen entfielen, wie die Wahlbehörde laut vorläufigem Endergebnis mitteilte.

Der 74 Jahre alte Mediziner mit Schwerpunkt Onkologie war schon einmal, von 2005 bis 2010, an der Macht. Seit seinem damaligen Wahlsieg stellt das Linksbündnis ununterbrochen den Präsidenten. Nach Vazquez’ Amtsperiode kam José Mujica ans Ruder, der "ärmste Präsident der Welt". Der beliebte Mujica wird Vazquez das Staffelholz im März 2015 offiziell übergeben. Mujica selbst konnte nicht kandidieren, da die uruguayische Verfassung die Kandidatur in zwei aufeinanderfolgenden Perioden verbietet.

Das Drogenexperiment - der Staat als Händler

Auf Vazquez warten nun schwierige Aufgaben: Er soll aus der kleinen südamerikanischen Nation ganz offiziell einen "Narco-Staat" machen. Uruguay will, so hat es zumindest Vorgänger Mujica angestoßen, den Drogenhandel entkriminalisieren, legalisieren und kontrollieren. "Man muss der Mafia das Geschäft entreißen, um sie zu besiegen", lautet das Credo Mujicas, das Vazquez nun umsetzen muss. In weiten Teilen der Bevölkerung regt sich dagegen Widerstand, doch das Vertrauen in Uruguays Übervater Mujica war größer als in den noch jugendlichen konservativen Herausforderer Lacalle Pou. Der hat mit 41 Prozent ein achtbares, aber doch ernüchterndes Ergebnis eingefahren.

Pous Zeit könnte noch kommen: Den nicht nur Uruguays Drogenexperiment ist ein Wagnis, auf das Menschenrechtsorganisationen und Anti-Drogen-Experten große Hoffnungen setzen. Das Land will auch einige Häftlinge aus dem US-Gefängnis Guantanamo aufnehmen. Auch dagegen regt sich Unbehagen in dem kleinen Land, in dem Gewalt oder Kriminalität, anders als in anderen Staaten des südamerikanischen Kontinents, nicht an der Tagesordnung sind.

Uruguays Politik stand bisher für eine pragmatische Linkspolitik: Mujica verstand es, die Gefühlslage seiner Landsleute zu treffen - auch weil er das Land nicht so linksradikal führte, wie es die taumelnde Regierung Venezuelas tut. Nun muss Tabare Vazquez zwei schwierige Projekte umsetzen. Er wird dabei genauestens beobachtet. Uruguay hat sich nur also scheinbar für ein "Immer nur weiter so" an der Spitze entschieden. Die Veränderungen werden bald für alle spürbar sein. Vor allem der Erfolg des Experimentes mit einem "Narco-Staat Uruguay" wird über die Zukunft des Linksbündnisses entscheiden.