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"Die Pflegekräfte sind selbstbewusster geworden"

Von Simon Pötschko

Politik
Pflegekräfte unterstützen körperlich und seelisch.
© © Erwin Wodicka / Erwin Wodicka

Pflegerinnen und Pfleger berichten aus ihrem Berufsalltag. | "Wir wünschen uns mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung."


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Wien. Pflaster wechseln, Kranke waschen und Bettpfannen austauschen. Klischeevorstellungen und Vorurteile dem Tagesablauf von Pflegekräften gegenüber gibt es viele. Auch heute noch. "Wir werden noch oft belächelt und die uns gebührende Wertschätzung ist immer noch nicht ausreichend vorhanden", erklärt Lucia Schäfer, Stationsleiterin und selbst diplomierte Altenpflegerin im Pflegeheim für Senioren der Caritas in Schönbrunn.
Weil ihre Mutter meinte, es würde zu ihrem Wesen passen, entschied sich Lucia Schäfer, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Heute hat sie sich ein besonderes Losungswort für ihre Station gewählt: Beziehungspflege. "Weil die Pflegearbeit, auch in der Geriatrie, mehr ist, als die Patienten bloß zu waschen. Es geht darum, die Biografie der Menschen zu kennen und so eine bessere Beziehung zwischen Heimbewohnern und Pflegekraft aufzubauen. Wir wollen die Bedürfnisse unserer Mitbewohner kennen, aber auch ihre Ängste."

Der Tod gehört auch zum Beruf
Dass es in der Geriatrie auch darauf ankomme, die Menschen in ihrer letzten Station zu begleiten, sei klar, meint Manfred Dvorak, diplomierter Krankenpfleger in der Geriatrie des Krankenhauses Lainz. "Auch das ist mit ein Grund, warum es sich hier um Gefühlsschwerstarbeit handelt. Wie nahe einem das Ableben eines Patienten geht, ist eine Frage der persönlichen Haltung. Wir können aber versuchen, den Bewohnern die Tage hier ein wenig zu verzaubern."

Vielfach sei es so, dass die Gesellschaft diese verschiedenen Aspekte hinter den unterschiedlichen Pflegeberufen gar nicht sehe, aus diesem Grund seien die Pflegeberufe für manche eine Selbstverständlichkeit und leiden unter abschätzigen Bezeichnungen, beklagen Pflegerin und Pfleger unabhängig voneinander.

"Trotzdem hat sich das Image unserer Berufsgruppe in den letzten Jahren verbessert. So langsam merken die Leute dann doch, dass unser Beruf unverzichtbar ist, und auch die Politiker werden zusehends nervös. Sie merken, dass Pfleger fehlen, obwohl die Nachfrage in der Bevölkerung ständig wächst," sagt Schäfer. Derzeit sind 45.680 Menschen im Pflegebereich tätig. Bis 2020 werden weitere 50.000 gebraucht.

"Die Pflegekräfte sind auf alle Fälle selbstbewusster geworden. Trotzdem gibt es noch einiges aufzuholen. Oftmals werden wir von anderen nur respektiert, weil diese meinen, unsere Arbeit würde sie eigentlich ekeln und sie könnten so eine Arbeit eigentlich nicht machen", sagt Dvorak. Er findet, dass eine Aufwertung der Berufe "unweigerlich notwendig" ist.

Pflegekräfte verdienen 20 Prozent weniger
Dass es um das Ansehen der Pflegeberufe schlecht bestellt ist, zeigt auch eine Berechnung der Statistik Austria bezüglich der Entlohnung. Aus dieser geht hervor, dass das Durchschnittseinkommen von Angestellten in Gesundheits- und Pflegeberufen, auf der Basis von Vollzeitanstellungen, im Schnitt um 20 Prozent unter dem gesamtösterreichischen Durchschnittseinkommen liegt.

Natürlich mache man diese Arbeit nicht nur aus finanziellen Gründen, aber diese Zahl sei ein imposantes Zeichen, so Schäfer. Dasselbe gilt auch für Renate Repa. Sie ist diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und arbeitet als sogenannte mobile Hauskrankenpflege (MHKP) für den Fonds Soziales Wien. Als solche fährt sie täglich zu ihren Patienten und versorgt diese mit allem, was sie brauchen. Ihr Aufgabenbereich reicht vom Setzen von Insulininfusionen bis hin zum Wechseln von Verbänden. Und natürlich geht es wieder um dasselbe: sich so gut wie möglich um die Patienten zu kümmern, sowohl körperlich als auch seelisch.

Besonders stressig sei es aber, wenn sie Wochenenddienst habe. Dann muss sich Repa nämlich um alle Patienten aus ihrem Bezirk kümmern. So kommt es, dass sie dann nicht einmal 15 Minuten Zeit für einen Patienten hat und sogleich zum nächsten hetzen muss.

Doch beschweren will sie sich nicht. Ihr gehe es nach wie vor darum, ihren Patienten zu helfen, so Repa. "Trotz allem hat sich unsere Situation in den letzten Jahren doch etwas verbessert. Außerdem wünsche ich mir, dass sich mehr junge Menschen für einen Pflegeberuf entscheiden.