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Die Preise fordern Bauernopfer

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Auch dieses Jahr sind die Bauern Opfer der sinkenden Agrarpreise. "Die Bauern haben auch in diesem Jahr ihre Hoffnungen auf steigende Einkommen begraben müssen", betonte Rudolf Schwarzböck, Vorsitzender der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Österreichs (Präko) gestern. Der Verdienst im landwirtschaftlichen Bereich sinke nun schon seit sechs Jahren, der Präko-Präsident fordert einen Stopp dieser negativen Entwicklung. Der brutalen Marktgewalt der Lebensmittelketten wollen die Bauern mit "stärkerem Zusammenrücken auf der Erzeugerseite" entgegentreten. Die neue EU-Zuckermarktordnung findet keine Zustimmung.


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Für die unerfreuliche Entwicklung in der Landwirtschaft gibt es eine Reihe von Gründen. Beispielsweise gab es eine Verschiebung der steuerlichen Begünstigung für Agrar-Diesel und Betriebsmittel. Die steigenden Rohölpreise haben auch die Landwirtschaft mit Mehrkosten getroffen. Und dann gibt es noch den enormen Preisdruck, dieser kommt von drei Seiten: der EU, der WTO (World Trade Organization) und den heimischen Lebensmittelketten. Die Preise für Agrarprodukte hätten sich seit 1993 nahezu halbiert. "Deshalb wäre in manchen Regionen ohne Förderungen gar kein Einkommen zu erzielen", kritisiert Schwarzböck auch in Bezug auf weitere Liberalisierungen des Weltmarktes.

Angesichts dieser Lage protestieren die Bauernvertreter gegen Umschichtungen bei den EU-Agrarbudget-Überschüssen, die für 2000 und 2001 mehr als 1 Mrd. Euro ausmachen. "Die angenehme Auswirkung der Euro-Dollar-Parität muss den Bauern zugute kommen", fordert der oberste heimische Bauernvertreter. In Zusammenhang mit der eben in Den Haag tagenden Klimakonferenz will er die Budgetüberschüsse "in sinnvolle Offensiven investiert" wissen. Dazu zählen, so Schwarzböck, Energie aus erneuerbaren Rohstoffen - unter anderem Biomasse - und alternative Futtermittel wie Eiweißpflanzen.

Problem: Preise für Erzeuger

In Deutschland hätten sich die Preise für Milchprodukte deutlich erhöht. "Es gab einen erfreulichen Preisanstieg um 10%", konstatiert Schwarzböck. Unerfreulich sei jedoch, dass von dieser Entwicklung die österreichischen Bauern nicht profitieren konnten. "Denn in Österreich gibt es auf Grund der enormen Konzentration der Lebensmittelketten - Billa und Spar beherrschen mehr als 70% des Marktes und haben damit de facto eine Monopolstellung - kaum Spielraum für Preiserhöhungen." Doch das sei gar nicht im Sinne der Konsumenten. Die Lockangebote der preisdrückenden Handelsketten seien nur von kurzem Nutzen und hätten dramatische Auswirkungen auf die Erzeuger. Außerdem "setzen solche Konzentrationen die Gesetze eines freien Marktes außer Kraft."

Bei den laufenden Verhandlungen mit Molkereien und Handel wollen die Bauern nicht beim Preisdrücken mitmachen. Der brutalen Macht der Einkäufer wollen sie mit "näherem Zusammenrücken auf der Anbieterseite" entgegentreten. Stärkere Direktvermarktung und eine Marketingoffensive für Produkte der regionalen Erzeuger, die vom Konsumenten gerne gekauft werden, wären mögliche Strategien gegen das Preis-Dumping.

Bittere Zuckermarktordnung

Der bittere Geschmack der neuen EU-Zuckermarktordnung will den Agrarvertretern nicht bekommen. So sollen ab 2003 die Zuckermärkte liberalisiert und damit die Preise gesenkt werden. Für Österreichs Bauern würden es einen Verlust von einer halben Milliarde Schilling ausmachen. "Diese Liberalisierung käme nur den Lebensmittel- und Getränke-Multis zugute." Die Reform brächte auf Grund des negativen Mitnahmeeffektes aber nicht nur die Rübenbauern, sondern den gesamten Ackerbau in der EU ins Schleudern.