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Die Sache mit dem Verbieten

Von Christina Böck

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"Ja dürfen’s denn des?" Immer öfter ist die Antwort: Nein. Der schillernde Bereich der Hochglanzwerbung musste in letzter Zeit einige Rückschläge hinnehmen. Erst durfte in Großbritannien ein Kosmetik-Werbesujet mit einer falten- bis porenfreien Julia Roberts nicht mehr verbreitet werden. Dann nahmen die strengen Briten eine Parfumkampagne mit einer minderjährigen Hollywood-Schauspielerin aufs Korn. Der Werbeaufsicht stieß sauer auf, dass die 17-Jährige einen riesigen Flakon auf dem Schoß wiegt. Nun hat es die Luxusmarke Prada erwischt. Die Briten dürfen ab sofort nicht sehen, wie eine 15-Jährige (die Oscar-nominierte Hailee Steinfeld aus "True Grit") in Pumps auf einem Bahngleis sitzt und sich traurig eine Träne aus dem Auge wischt. So etwas regt also die Briten auf, während hierzulande über Gewalt am Christkind diskutiert wird.

Ausgerechnet in Frankreich wiederum ist jetzt das neue Musikvideo von Popstar Rihanna verboten worden. Die Sängerin, die mit Porno-Attitüde und S/M-Versatzstücken ihre Mainstream-Nische gefunden hat, lässt sich in dem Film von einem Mann das Wort "Mine" auf das Hinterteil tätowieren. Französische Jugendliche sollen jetzt also vor diesen "selbstzerstörerischen Bildern" geschützt werden. Dass die Sängerin damit relativ furchtlos ihre eigene Beziehung mit einem prügelnden Freund thematisiert und aufarbeitet, wird dabei hintangehalten. Vor der drastischen Wahrheit, den Polizeifotos mit den Veilchen, hat die Jugendlichen damals freilich keiner geschützt. Vielleicht sollte man ihnen die künstlerische Auflösung doch auch zutrauen.