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Die Schere wird kleiner

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

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Wer den Fußball-Cup für einen sofort abzuschaffenden hält, der hat - in erster Linie gute Argumente. Wenn sich ein Meister und Champions-League-Teilnehmer von einem Drittligisten rauskicken lässt, wenn sein wahrscheinlicher Nachfolger gegen einen Fünftligisten am Rande einer Niederlage torkelt, sollten sich nicht nur die betroffenen Klubs die Sinnfrage stellen. Andererseits aber sind genau jene Begegnungen, diese Überraschungen, die man nirgends mehr sonst außer vielleicht in Düdelingen erlebt, das Salz im Einheitsbrei heimischer Fußballkost. Nirgends lässt es sich so trefflich mit den Kleinen mitleiden und mitfreuen, nirgends mehr hat der Fußball diese Ära des Romantisch-Rustikalen. Und für die Teil-Erfolge der Unterklassigen gibt es auch rationale Gründe. Titelverteidiger Pasching ist eine De-facto-Red-Bull-Dependance, Austria-Bezwinger Kalsdorf hat dank potenter Sponsoren einen (für Regionalliga-Mitte-Verhältnisse) starken Kader und Beinahe-Bullen-Bändiger Lankowitz gar einen Euromillionen-Millionär im Hintergrund, der es sich nach seiner Demission als Bürgermeister wegen einer schlagend gewordenen Gemeindehaftung zur Aufgabe gemacht hat, die Region mit seinem unverhofften Reichtum zu vitalisieren - konkurrenzfähiger Fußball inklusive. Die Schere zwischen Amateur- und Profiligen wird insgesamt eher größer als kleiner werden, wenn gut ausgebildete Akademie-Kicker den Markt überschwemmen. Befriedigend ist das ebenso wenig für die Betroffenen wie für die finanzschwächeren Unterhaus-Klubs, die da nicht mehr mitbieten können. Der ÖFB wird gezwungen sein, dieser Thematik mehr Augenmerk zu widmen. Ein Argument gegen den Cup kann es aber nicht sein.