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Die Selbstdemontage des Hans D.

Von Theodor Faulhaber

Gastkommentare

Zwei machten sich auf den Weg, verzweifelt nach Mitstreitern suchend: ein großer, alter Medienmann, der aus einem Kleinformat eine Großzeitung geformt hatte, und ein Parteipolitiker, dem das Talent nachgesagt wird, sich rasch durchschlängeln zu können.


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Wieso Hans D. bei seiner Suche erst so spät auf Amigo Werner F. und derselbe erst so spät auf "Onkel Hans" gekommen war, ist rätselhaft. Dichand hatte bei seiner progressiv-multiplen Anti-EU-Manie der ÖVP angetragen, diese zu retten, wenn sie auf seine EU-Allergie umschwenkte, er holte sich allerdings kalte Füße. Dann sei, wie man hört, ein mächtiger Landeshauptmann ins Visier seiner Hausiererei geraten: Dieser möge doch eine Anti-EU-Partei gründen und würde dabei von der "Krone" unterstützt. Aber der Mächtige widerstand.

Da entsann sich Faymann, nach der Demontage Gusenbauers durch die SPÖ von diesem auf den Schild gehoben, seines Onkel Hans. Ab nun waren alle Dämme der Finanz- und

Geschichtslogik gebrochen. Hans D. pushte die Wahlzuckerlorgie der SPÖ, regte sich zwar auf, dass kein Geld für Sicherheit da sei, aber dass nach Verschenken der Wahlzuckerln hierfür noch weniger übrig bleiben würde - wen schert das schon?

Da wurden alle Register gezogen, im 08/15-Stechschrieb, so sehr, dass "Staberl" im Nachhinein nostalgisch noch als ethisch motivierte Edelfeder erscheinen könnte. Kein Wunder, dass kolportiert wird, "Krone"-

Mitarbeiter würden am liebsten auf Urlaub gehen, um nicht der würdelosen Kommandokläfferei unterworfen zu sein. Aber warum sollte man einer Partei, deren Leuten auch die alte Voest, der Konsum oder die Bawag anvertraut waren, nicht auch den Staat anvertrauen?

Das Zahlen der Zeche wird Onkel Hans, auch wenn ihm ein langes Leben vergönnt sein möge, nicht mehr erfahren. Der Staat sind "Wir", denkt er sich wohl, denn er schreibt im pluralis majestatis, unterschreibt aber als Einzelperson. Gehirnwäsche für die Bevölkerung. Was kümmert uns die Wahrheit? Sie ist halt ein Kind des Hans D. Doch es war alles schon da. Vor Jahren haben wir wochenlang jeden Tag eine Anti-Polen und Anti-Ausländer-Schlagzeile erdulden müssen.

Der alte Mann und das Mehr - an Einfluss, an Macht, an Starrsinn. Und so arbeitet denn ein ehemals großer Zeitungszar nicht nur an der Montage seines in Versuchung geratenen Amigo Faymann, sondern auch an seiner Selbstdemontage: Hier ruht die "Kronen Zeitung". Ehemals relativ objektiv, überparteilich, EU-freundlich, jetzt SPÖ-Propagandablatt und wirr-manipulativ anti-ÖVP und anti-EU.

Hier ruht die Sozialdemokratie. Ehemals humanistisch und bildungsbewegt, Vernunft und Aufstieg verpflichtet, ebenso der Sparsamkeit, Europas Einigung fordernd und unterstützend. In unheiliger Allianz geopfert am Altar der Machtgier.

Theodor Faulhaber ist Publizist und Berater (www.trendconsult.at).