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Die Hacker-Welt hat Österreich entdeckt. Am Freitag durften SPÖ und FPÖ die Bekanntschaft mit der rauen Luft des World Wide Web machen, andere prominente Opfer werden wohl bald folgen. Die Freude über das Interesse der "bösen Buben des Internet" an österreichischer Webpräsenz hält sich - wenig überraschend - in Grenzen.
Allerdings sind es nicht die ersten Attacken auf heimische Server, davon gab es auch in der Vergangenheit schon genug. Und dabei sind - um die häufig an den Tag gelegte Nonchalance in Sicherheitsfragen ein wenig zu erschüttern - viele, durchaus heikle Daten in falsche Hände geraten. Doch diesmal geht es weniger um Industriespionage oder schlichten Diebstahl, sondern um eine politische Aktion. Die Hacker-Gruppe "Anonymous" hat sich dazu öffentlich bekannt und in einer Erklärung die Beweggründe für ihre Taten dargelegt.
Der SPÖ wurde vorgeworfen, sie habe "ihren Auftrag vergessen", während bei der FPÖ die "rechtsextreme und xenophobe Ausrichtung" angeprangert wurde. Für Aufsehen hat die Aktion immerhin gesorgt - und damit ihr Ziel erreicht, war doch die SPÖ-Homepage selbst am Freitagnachmittag noch immer offline.
Gedanken über die Mühelosigkeit, mit der in letzter Zeit Hacker auf der ganzen Welt in hochgeschützte Server eindringen konnten, sollte man sich aber längst machen. Während man im Zuge der Terrorbekämpfung den normalen Bürger als potenzielle Gefahr betrachtete und mit diversen Gesetzen den Datenschutz und die Privatsphäre weltweit abbaute, hat dies die Internet-Kriminalität in keiner Weise reduziert. Nun ist eine riesige Welle an Angriffen über prominente Unternehmen und Institutionen geschwappt, und die Sicherheit im Netz scheint sich als potemkinsches Dorf zu erweisen.
Während die Politik dem Problem ein wenig ratlos begegnet, stürzen sich die Medien auf die prominentesten Fälle. Groß wurde über den Datenklau bei Sony berichtet, kaum hingegen über einen anderen, deutlich gefährlicherer Angriff. Im März wurde das Sicherheitsunternehmen RSA gehackt. Pikant war dies vor allem deswegen, weil RSA Sicherheitsschlüssel für Unternehmen herstellt. Dieses Authentifizierungssystem wird weltweit millionenfach verwendet.
Seitdem rätseln Experten, was genau bei RSA gestohlen wurde und inwieweit die automatisch generierten Codes noch sicher sind. RSA hat bisher nur den Angriff auf den Rüstungskonzern Lockheed Martin als Resultat des Diebstahls öffentlich gemacht. Trotzdem werden nun bis zu 40 Millionen sogenannte "SecurID-Tokens" ausgetauscht.
Doch eines scheint klar: Ganz gleich, ob Staaten, Kriminelle oder schlicht "normale" Hacker hinter den Attacken stecken, die Werkzeuge für Datenklau sind weltweit verbreitet. Der Datenklau-Tsunami, der das Internet erfasst hat, wird noch weitere Wellen schlagen.
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