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Die Sprache der Kunst erlernen - auf Englisch, Arabisch, Deutsch

Von Stefan Beig

Politik
"Ich liebe Kinder und die Kunst", sagt Zaher Hadir.
© © Stanislav Jenis

Zaher Hadir bietet Kindern in Wien "kreative Kunstkurse" an.


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Wien. Mit Kindern kann man sich in verschiedenen Sprachen unterhalten - und die Kommunikation funktioniert dabei ganz tadellos, besonders wenn es um Kunst und Kreativität geht. Diese Erfahrung hat Zaher Hadir gemacht, die im September in Wien-Neubau eine "Kids Gallery Vienna" (Neustiftgasse 123) eröffnet hat. Hier unterweist die gebürtige Ägypterin Kinder ab drei Jahren in Malen und Zeichnen. "Seit meiner Kindheit habe ich gemalt", erzählt sie. Der Unterricht findet auf Englisch, Arabisch und Deutsch statt. Die Kinder würden sie aber immer spontan verstehen. 150 Euro kosten die meisten "kreativen Kunstkurse".

In Kairo hat Zaher Hadir die American School besucht und Kunst studiert. 2005 folgte sie ihrem Ehemann nach Wien. Im ersten Winter hatte es minus 20 Grad Celsius. "Das Wetter und die Sprache waren für mich ein Schock." Hadir hat zwar gleich Deutschkurse besucht, doch das Erlernen der Sprache habe viel Zeit gebraucht, denn Deutsch sei eine schwierige Sprache. Vor ihrer Ankunft hatte sie gedacht, man könnte hier im Supermarkt mit Englisch durchkommen - ein Irrtum. Auch mit der Mentalität tat sie sich zunächst schwer. "In Ägypten kann man gleich über persönliche Dinge reden." In Österreich dauert das länger.

Erste Berufserfahrungen sammelte Hadir im Montessori Kindergarten. "Die Arbeit war toll." Der Kontakt zu den Kindern habe sofort geklappt - auch ohne Sprache. "Es war kein Problem, mit den Kindern zu kommunizieren." Vor zweieinhalb Jahren begann Hadir in den Volkshochschulen Urania und Donaustadt Kunstkurse für Kinder anzubieten.

"Jedes Kind hat seinen Weg"

Das Besondere: Bei Zaher Hadir lernt man auch den Umgang mit Wachs, Glas, Öl, Holz, Mosaik und Seife. Kinder können sich bei ihr auf vielfältige Weise künstlerisch ausdrücken. "Jedes Kind hat seinen Weg und seine Persönlichkeit. Mädchen verwenden lieber helle Farben. Sie malen eher langsam und sorgfältig. Buben verwenden gerne Blau und dunkle Farben." Die Teilnehmer seien nachher richtig stolz. "Anerkennung steigert ihr Selbstbewusstsein." Bei besonders talentierten Kindern ermutigt Hadir die Eltern, ihre Kinder zu fördern. "Ich liebe Kinder und die Kunst. Es war eine natürliche Entscheidung, diese Kursen zu beginnen."

An den Volkshochschulen waren ihre Kurse ausgebucht. Das ermutigte Hadir, ihre Idee einer eigenen "Kids Gallery" zu verwirklichen. Die anderen hielten es für eine nette Idee, dachten aber nicht, dass es funktionieren würde. "Der Anfang ist hart, man muss sehr geduldig sein."

Einen bestimmten Stil lehrt Hadir nicht. Sie hat aber ihren eigenen Kunstgeschmack. Ihre Liebe gilt der modernen Kunst, besonders Picasso. In ihren eigenen Werken versuche sie nichts Ägyptisches einzubringen. "Andere können das besser."