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Die Talente des Ostens überrunden Österreich

Von Eva Stanzl

Wirtschaft

Nachbarländer holen bei der Qualität der Arbeitskräfte auf. | Bildungssystem fällt zurück. | Wien.An der Spitze, aber nicht ohne Gegenwind: Österreich verteidigt einen wackeligen Platz Eins in Zentral- und Südosteuropa (CEE), was die Qualität, die Ausbildung und Eignung seiner Arbeitskräfte betrifft.


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Als etabliertestes Land mit dem höchsten pro Kopf-Einkommen in der Region hat Österreich derzeit und auch noch in den kommenden Jahren die Nase vorn. Doch es hapert im Detail und insbesondere im Bildunssystem. Das zeigt die diesjährige Studie "Mapping Talent in Central and Eastern Europe 2007-2012" der US-Unternehmensberater Heidrick & Struggles und der Intelligence Unit des Magazins "Economist".

Bewertet wurde nach einem Punktesystem unter Berücksichtigung von Einwohnerzahl, Demographie, Qualität der Schulen und Universitäten, Förderung von Mitarbeitern, Freizügigkeit des Arbeitsmarktes, Höhe der Auslandsinvestitionen und Attraktivität des Standorts für Arbeitskräfte.

Der Startvorteil, den Österreich durch über 50 statt maximal 20 Jahre Marktwirtschaft hat, wurde nicht gewürdigt. Vergegenwärtigt man sich diesen, schneidet Österreich mäßiger ab, als es könnte. Denn unsere Volkswirtschaft ist bei weitem nicht in allen Fächern Klassenbester.

Pflichtschulen Österreich auf Platz 4

Überrundet wird Österreich von seinen Nachbarn in der Qualität des Bildungssystems. Russland reiht vor Österreich in der Güte seiner Hochschulen und Wirtschaftsuniversitäten mit einer hohen Anzahl an international renommierten Instituten und vielen immatrikulierten Studenten. Verglichen mit Russland gibt der österreichische Staat viel Geld für relativ wenige Studierende aus.

Unsere östlichen Nachbarländer haben auch höhere Werte in der Qualität der Pflicht- und Sekundarschulausbildung, die laut Studie auf ein ausgereiftes, gutes Ausbildungssystem hindeuten. Angeführt wird die Liste von Tschechien, wo die Lese- und Schreibfähigkeit der Erwachsenen am höchsten ist, gefolgt von Slowenien und der Ukraine. Österreich liegt hier nur auf Platz vier.

Klar führend ist Österreich (mit 90 Punkten) hingegen hinsichtlich der Förderung von Mitarbeitern, inklusive Weiterbildung. Auch die Aufwendungen für die Forschung werden hervorgehoben: "Sehr gut ist das Ausbildungsniveau der breiten Bevölkerung, insbesondere bei Wissenschaft und Forschung. Auch zu loben ist die Höhe der Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die Innovationsförderung, die Gesamtqualität der Arbeitskräfte und der Schutz des intellektuellen Eigentums", heißt es in der Studie. Auf dem zweiten Platz rangiert hier Slowenien, auf dem letzten Platz die Ukraine.

Bei den ausländischen Direkt-Investitionen ziehen die meisten multinationalen Firmen ihre Vorteile aus den Potenzialen Bulgariens. Aus anderen CEE-Länder ziehen die Investoren ihre Gelder ab. Russland hat laut Studie am meisten ausländisches Kapital verloren. Und das, obwohl es in der Gesamtschau der Qualität der Arbeitskräfte auf Platz zwei im Ranking liegt, auch aufgrund wachsender wirtschaftlicher Chancen.

Österreich hingegen bleiben die Investoren treu: Sie sollen bis 2012 sogar ihre Mittel erhöhen.