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Die ungewisse Zukunft des Bilawal Bhutto

Von Michael Schmölzer

Analysen

Bilawal Bhutto Zardari wird eines nicht vergönnt sein: Ein klassisches Studentenleben. Am Sonntag hat man den erst 19 Jahre alten Sprössling der ermordeten pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto zu deren Nachfolger ernannt. Zunächst darf er noch - vermutlich von Leibwächtern rund um die Uhr bewacht - sein Studium in Oxford beenden. Benazir Bhuttos Witwer Asif Ali Zardari wird als Parteivize der PPP derweil die Geschäfte führen.


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Auch wenn ihm eine kurze Schonfrist noch vergönnt ist, der junge Bhutto hat allen Grund, schon jetzt skeptisch in die Zukunft zu blicken. Nicht nur, dass sein Großvater Zulfiqar Ali - er hat die PPP gegründet - nach einer Karriere als Präsident und Premier am Galgen endete; nicht nur, dass seine Mutter nach einer zweifachen Amtszeit als Premier einem Anschlag zum Opfer gefallen ist - wobei nicht klar ist, ob Extremisten oder der pakistanische Geheimdienst hinter der Tat stecken.

Auch Bilawal Bhuttos Onkeln, Shahnawaz und Murtaza, fanden ein eher betrübliches Ende. Ersterer wurde im Jahr 1985 leblos in seiner Wohnung an der französischen Riviera aufgefunden - Todesursache ungeklärt. Der zweite, Murtaza, wurde bei einer Auseinandersetzung mit der Polizei 1996 in Karatschi getötet. Die Familie spricht von einer gezielten Exekution.

Am Leben ist nur noch Bilawals Tante Sanam. Sie hat sich allerdings stets aus der Politik herausgehalten.

Wer "Tochter des Ostens", die Memoiren Benazir Bhuttos gelesen hat, der weiß, dass die Mitglieder des Traditions-Clans an eine Art Bestimmung glauben, an ein Geburtsrecht auf die Führung Pakistans. Dementsprechend hat Zulfiqar Ali Bhutto seine Tochter Benazir bereits in jungen Jahren zu wichtigen politischen Treffen, etwa mit Indira Gandhi, mitgenommen und ihr das politische Handwerk früh vermittelt.

Bilawal Bhutto hat allerdings außer seinem Namen, der gleichzeitig Auftrag ist, politisch nichts vorzuweisen. Auch sein Vater Asif Ali Zadari, in dessen Adern kein Bhutto-Blut fließt und der deshalb als Nummer eins nicht in Frage kommt, hat in Pakistan wenig Strahlkraft. Der ehemalige Zementfabrikant war immer der farblose Königinnen-Gatte, der sich zudem im Auftrag Benazir Bhuttos in einigen Korruptionsangelegenheiten die Hände schmutzig machte.

Dass der zweite große Oppositionsführer, Nawaz Sharif, das nun entstandene Machtvakuum füllen kann, ist anzuzweifeln. Sharif und seine Muslim-Liga, die zuletzt im Schatten Bhuttos stand, haben sich von Pakistans starkem Mann Pervez Musharraf auseinanderdividieren lassen. Ein Teil seiner Partei hat sich dem Präsidenten angeschlossen, ein anderer blieb in Opposition, hat allerdings nur in der Provinz Punjab eine Basis.

Zu befürchten ist, dass weder Musharraf noch Sharif von Bhuttos Ende profitieren, sondern radikale Islamisten.