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Die Venus von Simmering

Von Manfred A. Schmid

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Am vergangenen Montag nahm das noch in den Kinderschuhen steckende österreichische Privat-TV einen neuen Anlauf. ATV (Austria Television) heißt der Sender, der von Wien aus via Kabel und Satellit

Österreichs Fernsehlandschaft verändern will. Das Programm am ersten Tag wirkte zwar weitgehend austauschbar mit dem, was von den etablierten deutschen Privat-Sendern angeboten wird, ist aber · im

Vergleich zum glücklosen Vorgänger Wien 1 · zweifellos professioneller geworden. Das trifft auch auf die Nachrichtensendung "atv-i" um 18.30 Uhr zu, die sich gegenüber der "ZiB" an diesem Tag

durchaus behaupten konnte. Es gab sogar eine Live-Schaltung zur Reporterin am Ballhausplatz, und diese wusste nicht mehr bzw. weniger von den Regierungsverhandlungen zu berichten als ihre ORF-

Kollegen · nämlich gar nichts.

Das Thema der ATV-Talk-Show "Talk To Me" um 17 Uhr lautete: "Ich bin dick und kriege jeden Mann!" Auch eine gewichtige "Venus von Simmering" und ihr Vorstadt-Tannhäuser waren dabei. Wie geht's im

Bett? wurden sie von der forschen Moderatorin Eva Pölzl gefragt. Bestens. Mollige hätten nämlich mehr Quadratzentimeter Hautoberfläche und daher mehr Platz für Liebkosungen. Aha.

Der von Wien 1 gebotene tägliche Erotik-Schund um 22.30 Uhr wurde gestrichen. Dafür soll es nun anspruchsvolle Filme geben. "Angel Heart" war jedenfalls ein vielversprechender Beginn. Da ich den

Streifen aber schon kannte, wich ich auf Arte aus. Dort wurde der Film "La Bête" von Walerian Borowcyk gezeigt. Was seltsamerweise als "Horror"-Genre angekündigt war, entpuppte sich als künstlerisch

verbrämtes, sodomitisches Sex-Märchen à la "Die Schöne und das Biest". Da war Wien 1 immerhin ehrlicher.