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Die Verantwortung für das AUA-Debakel

Von Stefan Janny

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Österreichs schwer defizitäre Fluggesellschaft taumelt, ungeachtet bereits erfolgter und noch in Aussicht gestellter staatlicher Finanzhilfe, am Rande der Pleite. Drastische Sparmaßnahmen und Streckenstilllegungen sollen das Fortbestehen bis zur Übernahme durch den deutschen Konkurrenten Lufthansa sichern. Nun ist die AUA in Zeiten der Wirtschaftskrise beileibe nicht die einzige Fluggesellschaft, die in Schwierigkeiten steckt. Es sind jedoch vor allem zwei Ursachen, die zur Verschärfung der Situation beigetragen haben: die traditionell erheblich zu hohen Kosten sowie gravierende Fehleinschätzungen des Managements.


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Die AUA beschäftigt seit jeher zu viele und zu teure Mitarbeiter, die zudem von einem kampfbereiten Betriebsrat sehr effektiv vertreten werden. Sämtliche Bemühungen der vergangenen Jahre, die Personalkosten merklich zu senken, zeitigten nur unzureichende Erfolge. Geradezu fatal wirkte sich jedoch der Umstand aus, dass 2006 der ehemalige Siemens-Manager Alfred Ötsch, der über keinerlei Berufserfahrung in der Luftfahrt verfügte, zum AUA-Chef bestellt wurde. Ötsch pflegte einen Managementstil, der durchaus kontroversiell genannt werden kann und erfahrene AUA-Manager zum Verlassen des Unternehmens nötigte. Er vertrat noch vor einem Jahr die Ansicht, die heimische Fluggesellschaft brauche keinen Partner, und verkündete stolz: "Die AUA ist saniert."

Die Verantwortung für das AUA-Debakel trägt daher zu einem guten Teil Alfred Ötsch. Zumindest ebenso groß ist freilich der Anteil von ÖIAG-Chef Peter Michaelis und dessen Kollegen im AUA-Aufsichtsrat, die dem für diese Aufgabe weder ausreichend qualifizierten noch von seiner Persönlichkeitsstruktur dafür geeigneten Ötsch die Leitung der Fluggesellschaft übertragen haben. Und erhebliche Mitverantwortung trifft auch jene Politiker, die Michaelis gewähren ließen.