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"Die Vereinigten Staaten müssen die Realitäten im Iran anerkennen"

Von Arian Faal

Politik

IAEO-Botschafter des Iran, Soltanieh, im Interview mit der "Wiener Zeitung". | "Wiener Zeitung" : Kann ein Präsident Barak Obama, der einen direkten Dialog zum Iran in Erwägung zieht, den Atomstreit entschärfen?


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Ali Asghar Soltanieh: Da müssen wir abwarten, ob auch Taten folgen. Aber ein respektvoller Zugang kann einiges ändern.

Washington meint, der Konflikt könnte mit einem Urananreicherungs-Stopp beendet werden. Das Argument: Viele Länder wie Südkorea würden das Uran auch am Weltmarkt kaufen.

Der Iran hat seit 50 Jahren ein Atomprogramm. Nach der Revolution 1979 mussten wir schlechte Erfahrungen machen. Der Westen hielt Verträge, in denen festgeschrieben war, dass sie uns Kraftwerke bauen, nicht ein, kassierte Millionen von Dollar und zog seine Experten 1979 aus unserem Land ab. Letztlich hatten wir keine Wahl, als unsere eigene Anreicherung zu beginnen. Wenn es US-Alliierte gibt, die Uran leicht erwerben, so hat das nichts mit uns zu tun.

Es gibt also keinen Urananreicherungs-Stopp?

Es gibt keine technische oder politische Rechtfertigung dafür. Da wir keine Sicherheit haben, dass wir Uran für unser friedliches Atomprogramm erhalten, müssen wir die Anreicherung fortsetzen.

Mittlerweile gibt es fünf UN-Resolutionen gegen Iran, drei davon mit Sanktionen ...

Obwohl die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) mehrfach festgestellt hat, dass es keine Beweise gibt, dass wir an einer militärischen Nutzung der Atomtechnologie interessiert sind, setzen die USA ihre lächerliche Vorgangsweise fort. Es wäre naiv zu glauben, dass die US-Invasion im Irak nur den Sturz Saddam Husseins zum Ziel hatte. Es gab ganz andere aggressive Vorherrschaftspläne. Die Akte Iran ist nur ein Vorwand dafür.

Was meinen Sie damit?

Die USA wollen die IAEO als Watchdog statuieren, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Die Bush-Administration hat die IAEO gezwungen, die Inspektionen im Iran wesentlich umfangreicher zu machen, als in den Statuten vorgeschrieben. Kein einziger Beweis wurde gefunden.

Irans Chefunterhändler Jalili spricht von neuen Ideen...

Es gab kürzlich ein Angebot des Westens und viele der jahrelangen Streitpunkte konnten inzwischen geklärt werden. Dann kam die jüngste UN-Resolution. Wir werden weiter vorbildlich mit der IAEO zusammenarbeiten, aber ein Dialog ohne Vorbedingungen würde vieles verbessern. Ein Land mit unserer Geschichte kann eine Sprache der Gewalt nicht goutieren. Die Wahl lautet: Respektvoller Dialog oder kontraproduktives Handeln. Egal, wie viele UN-Resolutionen beschlossen werden, wir werden unsere Rechte nie aufgeben.

Das klingt pessimistisch.

Im Gegenteil. Wir stießen die USA vor den Kopf. Sie haben gehofft, dass wir die Kooperation mit der IAEO beenden oder aus dem Atomwaffensperrvertrag austreten. Teheran sprang nicht auf den Zug auf. Nun muss Washington die Realitäten akzeptieren: Die IAEO kann im Iran weiter uneingeschränkt inspizieren, aber wir beherrschen die Anreicherungstechnologie ohne Fremdhilfe. Es ist Zeit, die Akte im UN-Sicherheitsrat zu schließen. Und: Wien ist mit seinem positiven Esprit nicht New York; die IAEO nicht die UNO. Washington soll nicht versuchen, diesen Esprit zu zerstören.

Zur Person

(af) Der Nuklearphysiker Ali Asghar Soltanieh zählt zu den wichtigsten Atomexperten im Iran. Seit 2006 vertritt er das Land bei der IAEO und anderen internationalen Organisationen mit Sitz in Wien. Viele Jahre leitete er Irans Atomenergiebehörde.